#52FilmsByWomen: (59) A tale of love and darkness – Natalie Portman

Titel: סיפור על אהבה וחושך (A tale of love and darkness)
Regie: Natalie Portman
Produktionsland: Israel
Jahr: 2015

Eine Geschichte mit Licht und Schatten

Vor siebzig Jahren im Mai 1948 proklamierte Israel die staatliche Unabhängigkeit und provozierte sogleich den kurzen aber heftigen Unabhängigkeitskrieg mit allen angrenzenden arabischen Ländern. Der Roman von Amos Oz der als Grundlage für den Film A Tale of Love and Darkness dient, behandelt auch diese Phase der Gründung und bettet die israelische Geschichte in die eigene familiäre Geschichte des Autors ein. Natalie Portman, geboren in Jerusalem und Tochter eines israelischen Vaters und einer jüdisch-amerikanischen Mutter, nahm sich des Romans an und adaptierte ihn in ihrem Regiedebüt für die große Leinwand – so authentisch wie möglich und daher an Originalschauplätzen und in hebräischer Sprache gefilmt. Diese nah am literarischen Werk entlang hangelnde Umsetzung hat zugleich lichte und schattige Momente, weshalb einen der Film nach der Sichtung mit unerfüllten Erwartungen zurücklässt.

A Tale of Love and Darkness erzählt stringent und chronologisch aus der Sicht des Protagonisten Amos, dessen Bindung an seine Mutter starke und ab und an selbstzerstörerische Tendenzen entwickelt. Natalie Portman fokussiert auf ihren Hauptakteur und findet dabei oft hochästhetische Bilderwelten, die glanzvoll, sanft und glatt aussehen, jedoch wenig Nähe und Wärme zu den Figuren projizieren. Und das ist das Hauptmanko des gesamten Films. Denn so gut und differenziert die Darstellung der Mutter durch (in dem Fall) die Schauspielerin Portman auch funktioniert, so schlecht ist die emotionale Tiefe und Nähe zu den Figuren durch die Regisseurin Portman eingefangen. Der Zuschauer kann nur selten mitfiebern, mitlachen, mittrauern oder auch nur Anteilnahme aufbauen. Die filmische Adaption löst sich nicht von der literarischen Vorlage, weshalb die Bilder wie aneinandergereihte Buchstaben aus dem Buch wirken. Wunderbar anzusehen, aber nur wenig inhaltvollen Glanz ausstrahlend. Handwerklich ist das einwandfrei und zeugt von kompetentem Vorgehen. Narrativ bringt es die durchaus interessante Handlung allerdings keinen Schritt voran. Licht (visuell strahlend) und Schatten (erzählerisch versagend) liegen nah beieinander. Immerhin kann der Film noch musikalisch einige hörenswerte Szenen produzieren, wenngleich auch hier stellenweise zu dramatisierend, ohne involvierend zu sein, vorgegangen wurde.

Natalie Portman versucht sich in ihrem Erstlingswerk hinter der Kamera an einer Geschichte, die leider zu groß scheint. Vielleicht war es der eigene persönliche Background in Kombination mit dem unbedingten Willen, den vor allem israelischen Bestseller adäquat auf die Leinwand zu bringen, der sie scheitern ließ. Es hat den Anschein, das A Tale of Love and Darkness zu perfekt werden sollte, was den stilistischen Bilderwelten durchaus gelingt. Auf der Strecke bleibt dabei zusehends die Geschichte und insbesondere die Figuren an sich, die fast durchweg unangenehm deplatziert und nichtssagend wirken. Das ambitionierte Projekt kann in summa die gesteckten Erwartungen nicht erfüllen. Bleibt nur die Hoffnung, das sich bei einem erneuten Anlauf die Regisseurin Natalie Portman an das erinnert, was ihr als Ausnahmeschauspielerin fast immer so bravourös gelingt: Figuren zu erschaffen, die echt und ehrlich und natürlich sind.

Mehr zu dieser Reihe in den sozialen Netzwerken unter #52FilmsByWomen und natürlich weiterhin hier bei mir.

 

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4 Antworten zu #52FilmsByWomen: (59) A tale of love and darkness – Natalie Portman

  1. Ma-Go schreibt:

    Schade. Über den Film bin ich neulich auch gestolpert und habe ihn mir vorgemerkt.

    „was ihr als Ausnahmeschauspielerin fast immer so bravourös gelingt: Figuren zu erschaffen, die echt und ehrlich und natürlich sind.“
    Was die Ausnahmeschauspielerin angeht, hast du sicher Recht. Ich habe jedoch vor einigen Tagen „Garden State“ gesehen und da hat sie mir überhaupt nicht gefallen. So wie der komplette Filme eigentlich. Lag wohl also nicht an ihr sondern am Film. Trotzdem war die Erinnerung noch frsich und kam mir in den Sinn, als ich den Satz gelesen habe 😉

    • Stepnwolf schreibt:

      Whaaaaat? You don’t like Sam? This isn’t right!

      Sam ist so eine wunderbar, spleenige Figur voller Herzblut und nerdiger Einzigartigkeit. Die muss man doch eigentlich lieben. Und „Garden State“ ist so ein schöner Wohlfühlfilm. Das der dich nicht abgeholt hat. Sehr sehr seltsam…

  2. singendelehrerin schreibt:

    Finde ich ja gerade für dich schade, da du doch so ein großer Fan von Natalie Portman bist!

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