Die Resterampe (I) – Was vom Beitrag übrig blieb

Die Resterampe dient als kurze Reflexion über all jene Werke, die ich gern ausführlich rezensiert hätte, aus diversen Gründen jedoch versäumt habe (oder versäumen musste). 

Und das waren im zurückliegenden Jahr 2018 doch einige. Zum einen aus meiner Beitragsreihe #52FilmsByWomen großartige, aber auch eher mittelmäßige Vertreter, denen im folgenden einige kurze Gedanken gewidmet sein sollen.

Before I fall von Ry Russo-Young

Coming of Age in Endlosschleife. Mit ein paar schönen memorablen Bildern und romantischen Anwandlungen. Tut keinem weh. Bleibt aber auch nicht zwingend für immer in Erinnerung. Da hilft auch keine Wiederholung. 

Tigermilch von Ute Wieland

Das Problem des Films ist die Überfrachtung mit zu vielen (wenn auch wichtigen) Themen. Fixierung und Komprimierung hätte dem Film zumindest erzählerisch gut getan. Die Figuren wiederum sind in ihrer sozialen, ethnischen und gesellschaftspolitischen Verortung treffend skizziert. Insbesondere beide Protagonistinnen verkörpern reale und glaubhafte Charaktere. Ein Jugendfilm mit Ansage und Aussage. Auch für Erwachsene sehenswert. 

By the Sea von Angelina Jolie

Hedonistische Langeweile trifft auf überästhetisierte Bilder, kombiniert mit einem Mix aus belanglosen Dialogen und philosophischen Diskussionen. Gewürzt mit italienischer Meerluft und garniert mit ein wenig erotischer Aura. In einigen Momenten blitzt Interessantes auf, meist plätschert der Film aber nur so vor sich hin, ohne erkennbaren Mee(h)rwert.

Безбог – Godless von Ralitza Petrova

„Ich glaube an mich, nicht an Gott.“ sagt eine Filmfigur und manifestiert damit die Kernaussage des Films. Alle Charaktere drehen sich mehr um sich selbst, gefangen in einer hoffnungslos erscheinenden Umgebung, die in trostlosen, grauen Farbtönen abgelichtet wird. Die Protagonistin scheint auf der Suche – ohne zu wissen wonach. Eine Katharsis oder einfach nur Auflösung wird ihr verwehrt. Dem Zuschauer leider ebenso.  

24 Wochen von Anne Zohra Berrached

Wie entscheidest du, wenn du weißt, dass dein ungeborenes Kind mit schwersten Behinderungen und nur geringer Chance auf ein halbwegs lebenswürdiges Dasein geboren wird? Der Film zehrt stellenweise mächtig an den Nerven. Meinungen und Entscheidungen wechseln in regelmäßigen Abständen. Argumente und Vorschläge überschlagen sich. Bei den Protagonisten und dem Rezipienten. Das ist harte Kost, die aber gerade durch die exzellente Performance der Schauspieler zu keiner Zeit in sogenanntes Betroffenheitskino abdriftet, sondern engagiert und ehrlich erscheint. 

Lore von Cate Shortland

Glanzlicht des Films ist – neben den herrlich eingerahmten Bildern – eindeutig die Hauptdarstellerin, deren innere Zerrissenheit, zum einen die persönliche Reife betreffend als auch die politische Wahrheit akzeptierend, mit energiegeladenem, emotionalem Nachdruck plausibel porträtiert wird. Leider stottert die Story oft vor sich hin, zerfleddert in einzelne Passagen, deren Zweck einzig der Darstellung bestimmter Umstände dient, zum Fortgang der Handlung aber nur bedingt beiträgt. So verkommt der ambitionierte Film stellenweise zur reinen hübsch fotografierten Oberfläche, an der nicht einmal gekratzt wird. 

Bang Gang von Eva Husson

Schon kurz nach der Sichtung des Films ist dieser auch schon aus dem Gedächtnis verschwunden. Nicht verdrängt. Einfach verschwunden. Weil nichtssagend und oberflächlich. Weil aufregen wollend, aber nicht einmal anregen könnend. Weil klischeehaft erzählend, obwohl rebellisch erscheinend. Eine moderne Liebesgeschichte? Mitnichten. Aber immerhin in fantastische, traumwandlerische, zauberhaft fragile Bilder getunkt. 

あん – Kirschblüten und rote Bohnen von Naomi Kawase

Gut Ding will Weile haben. Das gilt für die Essenzubereitung wie auch für das Leben selbst. Aber auch für diesen Film. In lässiger Langsamkeit und stoischer Ruhe tritt nicht nur der Protagonist auf, sondern die komplette Inszenierung. Genau darin liegt aber die Stärke der Erzählung, die dem Zuschauer in ruhigen, sanften Bildern eine gleichsam ruhig dahinfließende Geschichte kredenzt. Mit Tief- und Nachgang. Zum Nach- und Weiterdenken. Aber dabei bitte nicht das Essen vergessen. 

 

Zum anderen sind aus der wunderbaren #Horrorctober – Aktion noch drei Kandidaten übrig geblieben. In dem Zuge möchte ich nur erwähnen, dass ich die Challenge durchaus geschafft habe. Geschaut wurden alle Filme, nur eben nicht mehr alle rezensiert.

Pet Sematary von Mary Lambert

Erzeugt auch Jahre später noch genug Horroratmosphäre und kann vor allem visuell mit ein paar memorablen Bildern aufwarten. Der Horror kommt dabei eher leise und langsam daher, setzt in einzelnen Momenten aber ebenso auf kurze, intensive Gewaltspitzen. Technisch allerdings ab und an ziemlich holprig umgesetzt. 

Hotel von Jessica Hausner

Verloren im abseits gelegenen Hotel. Sowohl bei der Hauptfigur als auch beim Zuschauer stellt sich von Beginn an eine beklemmende Unsicherheit ein, worauf man sich eingelassen hat. Der Film setzt diverse visuelle Spielereien ein, um diese Unsicherheit zu befördern und im Verlauf zu manifestieren. Bis zum Ende ist völlig unklar, was genau hier eigentlich passiert. Wiederum sowohl auf Seiten der Hauptfigur als auch des Zuschauers. Sperrig. Anders. Und in dieser sperrigen Andersartigkeit extrem gruslig, ohne auch nur einmal explizit Horrorelemente zu nutzen.

The Hitch-Hiker von Ida Lupino

Eigentlich kein Horror, sieht man vom Antagonisten ab, der allein durch sein Auftreten gruslige Augenblicke produziert. Im Grunde genommen ein auf engstem Raum (ein Auto) gedrehtes Kammerspiel mit drei spielfreudigen Akteuren. Visuell stark im Film Noir verankert, was der Entstehungszeit geschuldet ist.

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Eine Antwort zu Die Resterampe (I) – Was vom Beitrag übrig blieb

  1. Ma-Go schreibt:

    Bei 24 Wochen meine ich mich zu erinnern, dass der auf dem Festival des deutschen Films lief und ich den auch sehen wollte. Muss ich mal recherchieren.

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