Die Filmreise-Challenge: Fünfter Zwischenstopp

Der letzte Zwischenstopp unserer Filmreise-Challenge liegt bereits geraume Zeit zurück. Anscheinend hat es mir dort besonders gut gefallen. Aber nun wurden einige weitere Stationen gebucht und begutachtet und zum Konsumieren bereitgestellt.

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#04 Schaue einen Film aus Südostasien

Wir starten in Südkorea und sind glücklicherweise nicht unseres Augenlichts beraubt wie die Protagonistin des Krimithrillers Blind von Regisseur Ahn Sang-hoon. Diese versucht zuerst ohne Unterstützung der Polizei einen vermeintlichen Mörder zu entlarven, gerät dadurch selbst in die Schusslinie und muss sich schlussendlich dem Antagonisten blindlings stellen. Auch wenn Kim Ha-neul ihre Figur mit kriminalistischem Eifer belegt, kann der Film seine konventionelle, arg generische Erzählweise nicht verbergen. Dann alternativ doch lieber das kammerspielartige Werk Wait until dark mit Audrey Hepburn konsumieren, dass komprimierter und sehr viel spannender mit dem Handicap des Blindsein spielt.

#05 Schaue einen Film aus dem orientalischen Raum

Um im Iran von einem Ort an den anderen zu gelangen, kann man natürlich auch ein Taxi nutzen. So wie das Eine iranische Frau auch vorhat und damit einige Ereignisse lostritt. Erzählerisch und visuell eingefangen von der Regisseurin Negar Azarbayjani und näher beleuchtet in meiner Beitragsreihe #52FilmsByWomen.

#24 Schaue zwei Filme, die auf fremden Planeten oder im All spielen

Auf geht es in die Weiten des Kosmos. Ja, Kosmos, nicht Universums. Denn Eolomea ist als Kind der DEFA-Studios ein ostdeutscher Science-Fiction-Film mit wenig Fiction und ein wenig Science und hier heißt es daher eben Kosmonaut, nicht Astronaut. Punkt. Die Studioatmosphäre ist dem Werk leider oft anzusehen, die wenigen Weltraumszenen wirken ebenso wenig echt wie beeindruckend. Dafür schafft es Regisseur Herrmann Zschoche aber seine Figuren tief (wenn auch nicht immer sinnig) zu zeichnen, was insbesondere einige Dialoge in wunderbare ideologische (sozialistische) Gespräche ausarten lässt. Zeithistorisch ein famoses Fundstück. Filmhistorisch eher irrelevant.

#44 und #45 Schaue zwei Musikverfilmungen (Musical, Oper)

Miloš Formans Filmadaption des Musicals Hair glänzt vor allem mit den musikalischen und choreografischen Elementen sowie einem überaus charismatisch auftretenden Treat Williams als stürmisch-rebellischem Hippie voller Flausen im Kopf, dem Herz am rechten Fleck und dem intelligent-gewitzten Chuzpe der Jugend. Und auch wenn der Film in manchen Momenten doch arg überdreht unfreiwillig komisch erscheint, kann man sich dem unaufhörlichen Drive und Elan aller Protagonisten nur schwerlich entziehen.

Drive und Elan will auch The Greatest Showman fabrizieren, scheitert aber an zwei wesentlichen Aspekten: Zum einen ist diese weichgespülte Geschichte einer wahren Person, die weniger weich und herzlich war, in vielen Facetten einen Tick zu nett und auf familienfreundlich gedreht. Zum anderen (und das ist bei einem Musical ein ausschlaggebendes Manko) sind die Songs so unfassbar eintönig produziert, dass sie in den durchaus augenöffnenden Bilderwelten der Erzählung grandios untergehen. Vielen Dank an Autotune für diese Monotonie der Töne.

#56 Schaue zwei Biopics über zwei männliche Personen

Schon der Filmtitel kann als Provokation gelten, spielt er doch auf einen der filmhistorisch relevanten Stummfilmklassiker an. Aber in Nate Parkers The Birth of a Nation geht es mehr um den Aus- und Aufbruch einer ethnischen Gemeinschaft als die Geburt einer Nation. Und um einen der Helden dieser Gemeinschaft: Nat Turner – belesener, rebellisch-religiöser Sklave und gleichzeitig Held und Märtyrer der afroamerikanischen Gemeinschaft. Der Film geizt dabei nicht mit direkten, gewaltvollen Bildern, die sich vor allem im blutigen Finale endgültig manifestieren. Der Hauptfigur wird ehrenvoll gehuldigt, ohne ihn zu einer Erlöserfigur zu stilisieren. Ein visuell und narrativ veredelter Rohdiamant, der eigentlich mehr Aufmerksamkeit verdient hätte als ihm zuteil wurde. Ein Schicksal, dass der Film mit der geschichtlichen Person Nat Turner gemeinsam hat.

#70 Schaue einen Experimentalfilm

Es lässt sich streiten, ob wir bei Loving Vincent einen Experimentalfilm sehen. Aber allein die Produktion des Werkes kann als höchst experimentell bezeichnet werden, sind doch echte Spielszenen in Öl nachgemalt wurden, um somit Bild für Bild einen Kriminalfilm um den Tod des Malers Vincent van Gogh zu stricken. Und das Ergebnis kann sich mehr als sehen lassen. Mit welcher Akribie und Sorgsamkeit hier nicht nur van Goghs malerische Eigenschaften adaptiert, sondern sogar einzelne Werke des Meisters originalgetreu zitiert wurden, ist beeindruckend. Da spielt es kaum eine Rolle, dass die Geschichte an sich generisch und ohne überraschende Schlenker daherkommt. Da zählt einfach nur das visuelle Erlebnis. Dieser Film ist im wahrsten Sinne des Wortes (be)rauschend.

Hui, das war ein wilder Ritt um die Welt. Von Südkorea in den Iran, von dort per Rakete ab in den (kommunistischen) Kosmos, wieder gelandet auf dem amerikanischen Kontinent, um schlussendlich in good old Europa Halt zu machen. Klingt ja fast wie eine politische Rundreise des trumpschen Tross. Da haben wir uns aber redlich eine Auszeit verdient, bevor es weitere Challenge-Stationen zu erobern gilt. Bis dahin…

Alle bisherigen Folgen der Filmreise-Challenge auf einen Klick:

Die Filmreise-Challenge: Erster Zwischenstopp

Die Filmreise-Challenge: Zweiter Zwischenstopp

Die Filmreise-Challenge: Dritter Zwischenstopp

Die Filmreise-Challenge: Vierter Zwischenstopp

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7 Antworten zu Die Filmreise-Challenge: Fünfter Zwischenstopp

  1. blaupause7 schreibt:

    Loving Vincent hat mich sehr beeindruckt.

  2. Ma-Go schreibt:

    Loving Vincent hat mich auch begeistert. Allerdings hatte ich den für eine andere Aufgabe geschaut

  3. singendelehrerin schreibt:

    Ja, der Einsatz von Autotune hat mir auch die Songs bei THE GREATEST SHOWMAN verdorben – es gibt ja eine Live-Aufnahme des Lieds „This is me“ im Probenraum auf YouTube, die so absolut reinhaut, Gänsehaut pur. Und im Film sind die Emotionen in den Stimmen einfach glattgebügelt… Sehr schade.

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