Kurz und knackig: Die Flimmerkiste November

Back to the Future (1985)

Fast 35 Jahre alt und kein bisschen Falten angesetzt. Back to the Future ist einer dieser Klassiker, der mit einer gelungenen Geschichte, sympathischen Figuren, einer wohl temperierten Dramaturgie und atmosphärischer Szenerie glänzt, sowie zusätzlich mittlerweile den nostalgischen Charme sein Eigen nennen kann. Bei dieser Sichtung war es insbesondere interessant jemanden dabei beobachten zu können, das erste Mal diesen Film zu sehen. Dieses Gefühl habe ich (leider) nicht mehr. Was dem Spaß allerdings keinen Abbruch tut.

Eat (2014)

Eat ist seltsam! Auf eine Art schwingt immer ein wenig der trashige Faktor mit. Andererseits ist die metaphorische Ebene wirklich sehr intelligent in Bilder umgesetzt. Im Kern erzählt Regisseur, Drehbuchautor, Produzent (kurz: alleiniger Zampano) Jimmy Weber den Aufstieg und Fall einer Möchtegernschauspielerin in Hollywood, die vom konkurrenz- und konfliktgeprägten Filmbusiness mehr und mehr verschlungen wird und daran zugrunde geht. Das Genre ist hier das Besondere, wird das narrativ im Drama verankerte Werk doch konsequent in einem Bodyhorror-Film verpackt, der nicht mit blutig-ekligen Szenen geizt. Was abstossend erscheint (und es stellenweise auch ist), kann als Gesamtkonstrukt überzeugen, auch weil das Ende eben nicht hollywoodesk daherkommt, sondern keine Kompromisse macht.

Mad Max: Fury Road Black & Chrome Edition  (2015)

Schwarz-Weiß in Fotografie und bewegtem Bild ist ja immer auch ein ganz anderes visuelles Erleben, da man eben nicht von den vielen bunten Farben und Eindrücken abgelenkt wird, sondern sich mehr auf das Wesentliche konzentriert. Allerdings werden Schwarz-Weiß-Filme auch immer in einer sehr eigenen Art und Weise beleuchtet, um das jeweilige Setting zu definieren. Bei Mad Max ist ja auch die farbige Variante eher unbunt, weshalb die Black & Chrome Edition hier in Summa keine besonderen Vorteile bietet, einzelne Highlights kommen in der Form aber doch besser zur Geltung. Der Drive der Geschichte bleibt vom visuellen Wechsel unberührt. Bei mir geht die Tendenz dann aber doch eher zur farbigen Version.

Split (2016)

Lange gebraucht, doch letztendlich dann doch gesehen. Auch um sich zeitnah dem letzten Teil der shyamalanschen Trilogie zu widmen. Split lebt zuvorderst von den Akteuren, insbesondere natürlich James McAvoy als Kevin, der an dissoziativer Identitätsstörung leidet und dementsprechend viele Personen seiner selbst hervorruft. Und die könnten nicht unterschiedlicher sein. Mr. McAvoy gibt jeder Identität eigene Mimiken, Gestiken und Charaktereigenschaften, was alle ungemein lebendig erscheinen lässt. Gute Performance. An seiner Seite (und durchaus ebenbürtig agierend) findet sich Anya Taylor-Joy, deren Figur intelligent, analysierend, assoziierend vorgeht, aber in ausgewählten Momenten auch ängstlich-verwirrt auftreten kann. Die Entführungsgeschichte selbst ist zwar nicht innovativ, punktet neben dem Schauspiel aber mit der klaustrophobischen Atmosphäre des Settings.

Bumblebee (2018)

Ich bekenne mich als Transformers-Fan. Denn auch wenn alle bisherigen Filme des Franchise reine CGI-Actionspektakel mit einer derart dünnen Story waren, lässt sich der oberflächlich-stupide Unterhaltungsfaktor nicht absprechen. Und manchmal braucht man derlei Werke eben. Bumblebee fällt aus diesem Maschinenkampfgewitter heraus und besticht vielmehr durch eine Coming of Age Story, die beide Protagonisten – Mensch und Maschine – (er)wachsen (werden) lässt. Was alle Transformers vorher nie nur über den Ansatz hinaus schafften, gelingt dem kleinen Werk mit spielerischer Eleganz – er schafft sympathische, liebenswerte Figuren, die echt erscheinen. Verblüffender Weise auf beiden Seiten. Sowohl der knuffig-tolpatschige Bumblebee-Käfer als auch die forsch-fordernde Hailee Steinfeld müssen einfach sofort ins Herz geschlossen werden. So gewinnt Bumblebee ein Alleinstellungsmerkmal im Franchise und der Zuschauer knapp zwei Stunden sehenswerte Unterhaltung.

Overlord (2018)

Was als Weltkriegsdrama beginnt, mutiert über das command-and-conquer Intermezzo schlussendlich zu einem survival-and-rescue-Szenario inklusive genetisch veränderter Kampfmaschinen. Overlord strotzt nur so vor klischeehaften Charakteren, die man schon kilometerweit vorher erkennt, handelt die Geschichte generisch unspektakulär ab, macht aber dennoch überraschenderweise recht viel Spaß. Das liegt vor allem an der in Computerspielmanier umgesetzten Optik des Films, die in ihr im Grunde historisches Setting ständig überhöhte Unmöglichkeiten und visuelle Brechungen einfliessen lässt, die das Werk immerhin zu einem Augenschmaus werden lassen, die die simple Geschichte an sich ein Stück weit kompensieren kann.

Im Kino öffnete sich (zum letzten Mal?) der Vorhang für den T-800 in…

Terminator: Dark Fate (2019)

Je oller, desto doller. Wenn in Dark Fate etwas wirklich funktioniert, dann die Inszenierung der alten Veteranen Linda Hamilton als toughe Bad Ass Killingmachine und Arnold Schwarzenegger als Terminator mit Herz und Humor. Daneben sind die neuen Protagonisten, mit Ausnahme der beherzt aufspielenden Mackenzie Davies, eher blaß und leider ziemlich uninteressant. Ähnliches lässt sich auch zur Geschichte an sich sagen, die ein einziges Zitate- und Reminiszenzgewitter auf (vor allem) den zweiten (und besten) Terminator-Film darstellt, nur wenig neue Akzente setzen kann und beim Thema Diversität und Emanzipation gar holzhammerartig agiert. Daher ist es umso schwerwiegender, dass gerade die neuen Hauptfiguren keinerlei spielerische Befreiung erlangen. Weder Natalia Reyes als weiblicher Messias, noch Gabriel Luna als böser Antagonist setzen erinnerungswürdige Impulse. Wird Zeit, den Terminator endgültig in den Sleepmodus zu versetzen.

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2 Antworten zu Kurz und knackig: Die Flimmerkiste November

  1. bullion schreibt:

    „Overlord“ habe ich neulich auch erst gesehen und fand den recht unterhaltsam.

    Mich reizt übrigens die S/W-Fassung von „Fury Road“ überhaupt nicht, da ich gerade die Farbgewalt sehr mochte (z.B. in der Sturmszene).

  2. Nummer Neun schreibt:

    Was gäbe ich drum, Back to the Future noch mal ein erstes Mal sehen zu dürfen…

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