Kurz und knackig: Die Flimmerkiste Januar 2020

The Fall (2006)

Die Macht der Fantasie bestimmt dieses bildgewaltige Werk von Tarsem Singh. Denn die junge Protagonistin (unbekümmert natürlich von Schauspieldebütantin Catinca Untaru dargestellt) nutzt ihre einfallsreichen, bunten Gedanken, um die von Lee Pace in Selbstmitleid getränkte Hauptfigur und dessen Geschichte in Bilder umzusetzen. Diese Bilder sind es auch, die am Werk besonders faszinierend sind. Bonbonbunte, durcheinander gewürfelte Szenerien entstehen und lassen den Zuschauer an der visuellen Pracht kleben. Leider übertüncht die Optik den Kern der eigentlichen Geschichte, so dass die Moral zwar erkennbar, aber nicht primär als wichtig angesehen wird.

Melancholia (2011)

Ein Dauerbrenner, den es sich immer wieder lohnt anzuschauen und der an dieser Stelle bereits kurz etwas schwelgerisch betrachtet wurde.

Ida (2013)

Pawel Pawlikowski macht in seinem Werk keine erzählerischen Kompromisse. Jede Szene ist kurz und intensiv und vor allem wichtig für die Handlung. Leerlauf fällt dem Schneidetisch zum Opfer. Dadurch schafft der Regisseur eine direkte und permanente Konzentration auf die Hauptfigur, die von Agata Trzebuchowska zurückhaltend leise interpretiert wird. Neben der historische (polnische) Aspekte aufarbeitenden Erzählung erstrahlen die Szenerien in einer Schwarz-Weiß-Optik, die visuelle Glanzlichter setzen kann, auch weil die Settings perfekt durchkomponiert fotografisch eingefangen werden. Wo der obige The Fall vorrangig mit Farbenpracht aufwartet, erschafft Ida allein mit diesen dezenten, dunklen Grautönen opulente Bilder und unterstützt dadurch gleichzeitig die relevante, von den Bildern eingerahmte (aber nicht überlagerte) Geschichte.

Happy Deathday (2017)

Zeitschleifen-Filme können bei intelligenter Vorgehensweise eine Menge Spaß machen, was Klassiker des Genres wie Groundhog Day bewiesen haben. Happy Deathday kommt zwar an diesen Film nicht heran, bietet aber dennoch einige amüsante und imposante Einfälle, die es erlauben, der Hauptfigur Tree und deren wiederholte Versuche, ihren eigenen Mord zu verhindern, mit unterhaltsamen Auge zu folgen. Dafür zeichnet sich vor allem die spielfreudig agierende Jessica Rothe aus, die mit stetiger kriminalistischer Finesse der Lösung ein Stück weit näher kommt, aber durch kleine, plausible Twists ständig in ihren Bestrebungen aufgehalten wird. Happy Deathday ist kurzweilig und durchaus die investierten anderthalb Stunden wert.

Shazam! (2019)

Was hat uns DC da doch für einen wunderbaren kleinen unterhaltsamen Film geliefert, dessen einzige vorrangige Prämisse darin besteht, den Zuschauer in dieses von Anfang bis Ende vergnügliche Abenteuer zu entführen. Shazam! gelingt es durch die Interaktion der Figuren eine Coming-of-Age Geschichte unter dem Deckmantel des Superheldenfilms  zu kredenzen. Eines Superhelden (sehr präsent und mit viel Elan von Zachary Levi dargestellt), der etwas ungelenk und unbeholfen erscheint, mit seiner Bestimmung hadert und schlussendlich trotzdem zu sich selbst findet, um die Welt zu retten. Eine klassische (Comicfiguren-)Erzählstruktur, die hier allerdings häufig mit einem zwinkernden Auge persifliert wird, was dem Film ungemein gut tut. So kann Popcorn-Comicverfilmung-Blockbuster-Kino dann eben auch gehen. Chapeau DC! Alles richtig gemacht.

Im Kino gab es im Januar vier Werke zu bestaunen, die ich unter anderem in meiner Rubrik Die k.u.k.-Monarchie näher beleuchtet habe. Daher bitte für nähere Informationen auf den jeweiligen Filmtitel klicken.

Marriage Story (2019)

1917 (2019)

Weathering with you (2019)

The Farewell (2019)

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7 Antworten zu Kurz und knackig: Die Flimmerkiste Januar 2020

  1. Nummer Neun schreibt:

    Von den Filmen habe ich nur Happy Deathday gesehen – und würde ihn genau so wie du beurteilen 🙂 Die Fortsetzung ist auch nicht viel schlechter.

  2. Lufio schreibt:

    „Shazam!“ fand ich auch interessant und wollte ich eigentlich schon damals im Kino gesehen. Dann habe ich mehrfach gelesen, dass DC sich damit dem MCU annähert und darauf hatte ich dann wirklich keinen Bock 😀 Aber ist nach wie vor auf der Watchlist

  3. mwj schreibt:

    „The Farewell“ ist ein sehr schöner Film.
    https://www.kino.vieraugen.com/dvd/the-farewell/

  4. bullion schreibt:

    „The Fall“ und „Happy Deathday“ mochte ich auch sehr. In „Shazam“ will ich auch noch irgendwann reinschauen, da ich den Hauptdarsteller sehr mag und „Big“ im Superheldenkosmos? Why not!

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