#52FilmsByWomen: (65) Birds of Prey – Cathy Yan

Titel: Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn
Regie: Cathy Yan
Produktionsland: USA
Jahr: 2020

I’m just a terrible person!

Ist sie wirklich schrecklich? Natürlich schon, wenn man sich der gewaltvollen Taten erinnert, die sie an der Seite von ‚Mr. J‘ ohne Skrupel und mit wahnsinniger Lust zur Zerstörung verübt. Dessen ist sich Harley Quinn auch bewusst und zieht daraus ihre Motivation. Aber ebenso ist sie eine in allen Belangen gescheiterte Existenz auf der Suche nach Anerkennung und somit nicht viel anders als die drei weiteren Damen, die uns in Birds of Prey begegnen: Sei es die aus ethnischer und geschlechtlicher Intoleranz die Seiten wechselnde Black Canary (Jurnee Smollett-Bell spielt die Rolle mit einer ruhigen Grandezza), die aus persönlicher Rache agierende Huntress (Mary Elizabeth Winstead tritt unnahbar auf, wird aber leider narrativ schmählich vernachlässigt) oder die beruflich nie anerkannte Polizistin Renee Montoya (Rosie Perez hat noch die besten Gelegenheiten, um ihre Figur zu entwickeln). Die gescheiterte Existenz eint diese Girl Gang gegen den gemeinsamen Gegner Black Mask (ein herrlich abgedrehter Ewan McGregor). Allerdings erst im großen und recht kurzen Finale. Weshalb Cathy Yans Werk in gewisser Weise eine Mogelpackung ist, suggeriert uns der Trailer doch ein als Team agierendes Frauenquartett, dass die Handlung bestimmt.

Dabei sehen wir hier vorrangig eigentlich ‚lediglich‘ die One-Woman-Show von Margot Robbie, deren Interpretation der dem Wahnsinn (und einem Wahnsinnigen) verfallenen Harley Quinn nahezu perfekt funktioniert. Diese Figur, in all ihrer wirren, verrückten Art der Aktion und verbalen Reaktion, (und somit auch der Film) lebt nur aufgrund der robbieschen Performance. Im Umkehrschluss bietet sich daher leider wenig Raum für all die anderen bunten Figuren, die den Film bevölkern. Was ungemein schade ist, da sich dahinter interessante, ambivalente Personen verbergen, die es zu entdecken gilt. Birds of Prey verweigert uns diesen Blick, weil Cathy Yan voll und ganz auf die Protagonistin fokussiert. Immerhin erschafft diese Konzentration einige visuell beeindruckende, immer ein wenig ausflippende Momente und bietet ganz nebenbei eine ausgeklügelte Kampfchoreografie, die den optimalen Einsatz eines Baseballschlagers als Waffe zelebriert. In diesen Augenblicken macht der Film tatsächlich Spaß, auch weil dann der musikalische Hintergrund passend abgestimmt ist. Überhaupt – Daniel Pembertons Score ist stellenweise das Highlight in einer Narration, die im Kern nichts Besonderes zu erzählen hat. Weder im Kontext des gesamten DC Universe, noch als Stand Alone Werk innerhalb eines frei interpretierbaren Comic-Kanons. Harley Quinn (und damit erfährt man nichts Neues) durchläuft keine Läuterung, keine Abwendung vom bisherigen Pfad und somit auch nicht zur Wandlung der Einschätzung, es auch nach dem Ende des Films mit einer schrecklichen Person zu tun zu haben. Aber immerhin einer schrecklich coolen. 

Birds of Prey mag ein emanzipatorisches Werk voller starker, unabhängiger Frauen im Kampf gegen die verschiedensten materiellen als auch immateriellen Ressentiments sein, exerziert dies auch konsequent durch, befreit die Vögel durch die recht wirre und erkenntnisarme Geschichte jedoch nur kurzzeitig aus dem vorurteilsbehafteten Käfig, um sie am Ende so schlau als wie zuvor in der Ecke eines Cafés allein sitzen zu lassen. So wie gleichzeitig den Zuschauer im Kinosaal. 

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