Die k.u.k.-Monarchie: Jojo Rabbit und Birds of Prey in KW 6/2020

KINO

Wann: 03.02.2020 — Wo: Puschkino Halle — Was: Jojo Rabbit (OV, 2019)

Was würdest du machen, wenn du frei bist? fragt Jojo die Jüdin Elsa und sie antwortet darauf: tanzen. Ein wenig tänzelnd kommt auch Taiki Waititis Film daher. Besonders zu Beginn, wenn er in stellenweise extrem überzeichneter Art und Weise den Kult und die Ideologie des Faschismus ad absurdum führt und Figuren etabliert, die in ihrem kompletten Gehabe over the top agieren. Wohlwissend, dass dies erschreckenderweise in vielen Zügen der Wahrheit entsprach, was die ganze Szenerie noch absurder erscheinen lässt. Dennoch gelingt die Einführung der Charaktere tänzerisch leicht. Erste Sympathien (Yorki!) und Antipathien kristallisieren sich heraus. Bei dem einen (oder anderen) wird die manifestierte Meinung nach und nach durchaus aufgeweicht oder sogar komplett revidiert (looking at you Captain Klenzendorf). Sobald wir uns dann der Konstellationen bewusst sind, wechselt Waititi eher ins dramatische Fach, lässt den Zuschauer hinter die komödiantisch aufgezogene Oberfläche blicken, um das wahre Antlitz zu offenbaren. Diese Wandlung symbolisiert beispielhaft der imaginäre Adolf (keiner hätte ihn besser interpretieren können als der Regisseur selbst), wenn er von väterlich-freundschaftlicher Anbiederung zu bockig-bösen Schimpftiraden übergeht und dann mehr und mehr an seiner festgefahrenen Meinung untergeht. In diesen dramatischen Szenen traut sich Jojo Rabbit die ‚Kloß im Hals‘-Momente zu, ohne dadurch den unterhaltsamen Unterton aus den Augen zu verlieren und mit erzählerischer Eleganz wieder dorthin zurückzukehren. Überhaupt: Die Geschichte wird gar fein aufgedröselt, gewinnt durch die stetig steigende Brisanz an Spannung und schafft es sogar in kurzen Augenblicken bei einzelnen Figuren zu überraschen.

Weniger überraschend sind dagegen die durchweg gelungenen Schauspielleistungen, seien es die gestandenen Profis wie Scarlett Johansson (als widerständige, alleinerziehende Mutter) oder Sam Rockwell (als spleeniger Captain mit weichem Herz), die noch frischen Rookies (hier muss vor allem Thomasin McKenzie in der Rolle der Elsa genannt werden) und natürlich der Protagonist und Debütant Roman Griffin Davis, dessen Jojo uns Zuschauer trotz seines anfänglichen indoktrinierten Verhaltens sofort ans Herz wächst. Taika Waititi gelingt mit Jojo Rabbit das seltene Kunststück, die im Kern ernsten Themen des Films mit spielerischer Leichtigkeit und einem Hauch von überdrehter Verspieltheit zu verbinden, ohne den Faden der Erzählung und – ganz wichtig! – die Moral von der Geschicht‘ aus den Augen zu verlieren. Was er – neben der narrativen Komponente – zweifellos dem gut aufgelegten Cast zu verdanken hat, die dem Werk so viel Leben einhauchen, dass der filmische Tanz am liebsten nie enden sollte. Auch wenn dort David Bowies wohlbekannte Hymne (und die Befreiung) wartet.

KINO

Wann: 06.02.2020 — Wo: The Light Cinemas Halle — Was: Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn (OV, 2019)

Da Harley Quinn ja immer einen besonderen Auftritt braucht (aber eigentlich, weil dieses Werk von einer Regisseurin gedreht wurde), findet sich meine Kritik dazu an dieser Stelle:  #52FilmsByWomen: (65) Birds of Prey – Cathy Yan

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4 Antworten zu Die k.u.k.-Monarchie: Jojo Rabbit und Birds of Prey in KW 6/2020

  1. singendelehrerin schreibt:

    Sehr treffend formuliert – stimme dir vollinhaltlich zu!

  2. mwj schreibt:

    Weiso „k.u.k-Monarchie“?

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