Kurz und knackig: Die Flimmerkiste April 2020

In diesen Zeiten läuft alles ein wenig anders. Nicht ganz so strukturiert und chronologisch, weshalb heute bereits meine Filmauswahl des zurückliegenden April vorliegt, ohne den März bisher überhaupt eines Blickes gewürdigt zu haben. Aber ich steige bestimmt noch in den DeLorean und werde dann demnächst den verlorenen Monat zurückholen. Muss nur noch schnell den Fluxkompensator reparieren…

Die Matrix-Trilogie (im Rewatch)

Ja, es ist, wie es ist. Matrix (1999) selbst steht für sich genommen als wegweisend, stilbildend und selbst zwanzig Jahre später noch frisch und innovativ da. Das liegt am philosophisch angehauchten Thema, an den Figuren und deren Interaktion (Neo und Agent Smith sind famose Gegenspieler) und nicht zuletzt an der visuellen Umsetzung (insbesondere die Kampfchoreografien sind passend in Szene gesetzt). Dagegen verlieren vor allen die tiefgründigen Inhalte in den Nachfolgern Matrix Reloaded (2003) und Matrix Revolutions (2003) mehr und mehr an Substanz. Die reinen, stupiden Actionsequenzen, deren Logik nicht immer stimmig sind, drängen sich in den Vordergrund. Das fällt vor allem im letzten Teil der Trilogie negativ auf, der nurmehr oberflächliches Blockbusterkino evoziert (und zu viel CGI produziert), ohne nennenswerte Atmosphäre zu erzeugen. Das können dann auch nicht mehr die wenigen verbalen Aufeinandertreffen zwischen Keanu Reeves und Hugo Weaving (dessen Rolle mich über die Jahre am meisten beeindrucken konnte) noch wettmachen. Der Mittelteil bietet immerhin noch ein paar sehenswerte Schwertkampf-Intermezzo. Aber bereits hier kündigt sich der Zerfall des so sorgsam aufgebauten Matrix-Konzeptes an. Dieser Trilogie hätte es in summa nicht bedurft.

Conan the Barbarian (1982)

Der Film hat Charme, auch wenn die schauspielerische Leistung mancher Akteure ein wenig zu wünschen übrig lässt. Aber das Worldbuilding und die Ausstattung ist durchaus atmosphärisch gelungen. Arnie zeigt seine Muckis und boxt nebenbei ein Kamel um. Sein Sidekick kommt leider etwas zu kurz und die Mädels an seiner Seite dürfen vor allem eins: hübsch aussehen. Macht aber in jedem Fall kurzweilig eine Menge Spaß.

The Dark Crystal (1982)

Nachdem die gleichnamige Netflix-Serie (die unbedingt zu empfehlen ist!) so wunderbar in die Welt Thra eingeführt hat, sollte für mich der Film – auf dem die Serie beruht – als Abschluss dienen. Und das kann durchaus wörtlich genommen werden. Erzählt Der dunkle Kristall doch eben jenes Ende des Kampfes der murmelnden Mystics (mit Unterstützung eines Gelfling-Helden) gegen die bösen Skekse. Schaut man nur den Film, ist die Identifikation mit den Puppen-Protagonisten durchaus schwierig, da Jim Henson und Frank Oz ohne Umschweife zur Sache kommen und daher eine tiefere Charakterisierung fehlt. Mit dem seriellen Vorlauf im Gepäck freundet man sich allerdings recht schnell mit den wichtigsten Figuren an, insbesondere die schon bekannten gewinnen dadurch eine höhere Aufmerksamkeit. The Dark Crystal schafft eine transparente Welt, die voller kleiner Geheimnisse und Gestalten ist. Jedes Bild ist sorgfältig platziert, um ein rundum funktionierendes Fantasy-Konstrukt zu erbauen. Das sieht gut aus und fühlt sich gut an. Für Fans der Serie ist die filmische Vorlage allemal Pflichtprogramm.

The Hateful Eight (2015)

Ein Rewatch auf Wunsch, denn vorrangig initiiert von der Dame an meiner Seite, die dieses Werk des Meisters Tarantino noch nicht gesehen hatte. Meine Meinung hat sich auch bei dieser Konsumierung nicht wesentlich geändert, weshalb ich auf die damalige Kinoschau-Lobhudelei verweise.

Mein Name ist Somebody (2018)

Ein Wiedersehen mit Nobody, worauf der Titel natürlich unverblümt anspielt. Regisseur und Hauptdarsteller Terence Hill geht auf Sinnsuche, findet auf dem Weg die frech-gewitzte Lucia (Veronica Bitto kann die zu Beginn schauspielerische Starre mit zunehmender Spieldauer ablegen) und reitet mit ihr (auf seiner Harley Davidson) bis in die spanische Wüste. Im Kern ist Mein Name ist Somebody ein Selbstfindungstripp mit leicht esoterischen Elementen, in dem Hill ganz kurz noch einmal die alte (wohlfeil etablierte) Kneipenschläger-Szenerie aufleben lässt, die (auch ohne Spencers hier fehlende Schlagkraft) zu gefallen weiß. Sowieso sind eben jene nostalgischen Reminiszenzen die starken Momente in einem ansonsten recht langatmig geratenen Film, der wohl vorrangig die Spencer/Hill Fangemeinde ansprechen wird, ohne diese damit vollends abholen zu können.

The King (2019)

Stylisch, visuell anspruchsvoll, musikalisch hymnisch untermalt kommt David Michôds shakespeareanischer Mix daher. Die Ausstattung kann sich durchaus sehen lassen. Die Geschichte an sich orientiert sich grob am Leben Heinrich V. und konzentriert sich auf einen historisch entscheidenen Punkt seiner Vita (die Schlacht von Azincourt). Timothée Chalamet verleiht dem englischen König zwar eine gewisse Größe, kommt stellenweise aber etwas zu glatt daher. Demgegenüber ist die (historisch inkorrekte) Figur John Falstaff (herrlich unkonventionell von Joel Edgerton interpretiert) die interessantere Alternative – vielleicht ja auch, weil sie dem Werk Shakespeares entlehnt wurde. An dessen erzählerisches Geschick kommt The King zwar nicht heran, das Anschauen ist aber dennoch erlaubt.

Rocketman (2019)

Dexter Fletcher macht das elegant und eloquent. Das Kombinieren von Elton Johns Musikstücken und deren visuelle Einbindung in die autobiografische Handlung ist eigentlich durchgehend gelungen inszeniert. Durch die clever eingebauten Zeitsprünge und gelegentlichen narrativen Auslassungen fühlt sich Rocketman wie eine beschwingte Popmelodie an, wo jeder Ton (ob eher hell freudig oder doch mehr dunkel melodramatisch) sitzt – sowohl auditiv als auch in der bunten Bebilderung. Sahne-häubchen ist dabei der spiel- und sangesfreudige Taron Egerton, der so natürlich in der Rolle des exzentrischen Musikers mit melancholischer Seele aufgeht, dass wahrscheinlich selbst Sir Elton John himself gestaunt hat, wie nah Egerton ihm da tatsächlich kommt.

Kopfplatzen (2019)

Harter Tobak, den uns Savaş Ceviz da vorsetzt: Protagonist Thomas lebt seit langer Zeit mit seinen pädophilen Neigungen, die sich in eruptiven Abständen Bahn brechen und immer schwerer zu kontrollieren sind. Hilfe erhofft er sich zum einen durch eine psychologische Betreuung und zum anderen durch die zarten Knospen einer aufkeimenden Liebe zur neuen Nachbarin Jessica. Doch da ist ja noch deren achtjähriger Sohn, der Thomas‘ Therapie zum Scheitern bringen kann.

Max Riemelt verleiht der Figur eine zugleich bemitleidenswerte als auch verabscheuungswürdige Aura, ohne seinen Thomas von Anfang an auf die entmenschlichte, abstoßende Ebene zu hieven. So weiß der Zuschauer zwar in jedem Moment, dass die angedeuteten Handlungen des Protagonisten nicht zu tolerieren sind, es aber für Individuen wie Thomas, der sichtlich mit seinen sexuellen Neigungen ringt, auch ein unendlich schwerer körperlicher und seelischer Kampf ist, diese zu unterdrücken. Kopfplatzen positioniert sich trotz der erzählerischen Fixierung auf den Protagonisten nicht, sondern überlasst dem Rezipienten die entscheidende Conclusio. Der Film verfehlt dabei seine Wirkung nicht und hallt auch nach dem Schauen noch lautstark nach. Ähnlich dem Rauschen in Thomas‘ Kopf.

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10 Antworten zu Kurz und knackig: Die Flimmerkiste April 2020

  1. bullion schreibt:

    Um „Mein Name ist Somebody“ schleiche ich auch schon länger herum. Ich liebe ja die alten Spencer/Hill-Filme und könnte auch mit einem ruhigeren Abgesang etwas anfangen. Lohnt sich der Film denn trotz seiner Langsamkeit?

    • singendelehrerin schreibt:

      I came here for this comment. 😉😁

    • Stepnwolf schreibt:

      Naja, die Geschichte an sich ist nicht weltbewegend und stellenweise doch recht konstruiert, um überhaupt Drive zu erzeugen. Aber der Nostalgiefaktor, einen Terence Hill noch einmal durch die Prärie reiten zu sehen (wenn auch mit Harley, statt vom Pferd gezogen), ist durchaus groß genug, die Ungereimtheiten der Story wohlwollend zu ignorieren.

      • bullion schreibt:

        Danke dir für die genauere Einschätzung. Dann werde ich als Fan wohl doch mal zugreifen. Das Gefühl „Aber der Nostalgiefaktor, einen Terence Hill noch einmal durch die Prärie reiten zu sehen“ hatte ich übrigens schon bei seiner Lucky-Luke-Adaption… 😉

  2. singendelehrerin schreibt:

    So schön, endlich wieder deine Kurzkritiken zu lesen. Besonders interessant diejenigen zu den Filmen, die wir gemeinsam gesehen haben! 🙂

  3. Miss Booleana schreibt:

    Ach Mensch, die Matrix-Filme könnte ich auch mal wieder schauen … aber irgendwie stoppe ich immer nach dem ersten. Manchmal schaue ich noch den zweiten, aber das auch eher selten. Alle drei Jahre Mal >.< Man will halt auch irgendwie nicht, weil man weiß, dass es nicht besser wird. Aber bei einem der Rewatches dämmerte mir dann mal, dass Agent Smith der Messias ist und nicht Neo, was mir als Teenager beim ersten Schauen total entgangen ist …

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