Kurz und knackig: Die Flimmerkiste März 2020

Im April-Rückblick bereits darüber gesprochen, habe ich mittlerweile den Fluxkompensator repariert und konnte nun endlich auch in den noch offen gebliebenen März dieses Jahres springen. Und das waren die konsumierten Werke…

The man who killed Don Quixote (2018)

Definitiv ein Terry Gilliam! Ohne Zweifel! Ein zu Beginn relativ klar strukturierter Plot, wandelt sich nach und nach in ein wirres Monstrum an Handlungssträngen und vor allem -sprüngen, in denen Wahrheit und Wahn ständig miteinander kollidieren und man als Zuschauer mit einem Fragezeichen vor dem Kopf da sitzt und darüber sinniert, was davon nun wieder einzig der Fiktion des Protagonisten entstammt oder tatsächlich so passiert ist. Und dieses Gefühl macht oft gute Laune, macht manchmal traurig, macht selten melancholisch, aber ist immer durchgehend ungemein unterhaltsam. Sofern einem bewusst ist, dass es sich um einen astreinen Terry Gilliam Film handelt. Ohne Zweifel!

The Sisters Brothers (2018)

Klassische Westernstory zweier Underdogs, die sich mit halblegalen Geschäften durch das Wildwest-Leben schießen, auf die eine einmalige Gelegenheit stoßen, diese annehmen und darin (wie auch immer) ihr Ziel allen Strebens entdecken. Neben den visuell polierten Bildern, die in jedem Frame Westernzitate atmen, glänzen (ebenfalls poliert) die beiden Sisters Brüder, in dreckig-rauer Westernmanier interpretiert von einem stoisch-sinnierenden John C. Reilly und einem trunkend-tobenden Joaquin Phoenix. Erfindet das Genre nicht neu. Aber wer will das bei einem Western auch schon?

Game Night (2018)

Der hat mich wirklich positiv überrascht. In Gameplay-Form hetzen Jason Bateman und Rachel McAdams durch die Szenerie, wähnen sich ein ums andere Mal am Levelende und nur noch dem Endgegner gegenüberstehend, um holterdiepolter ins Upgrade zu stolpern. Und die beide funktionieren dabei so wunderbar miteinander, dass Momente entstehen, die einen wirklich (und ich meine wirklich!) lachend auf dem Boden liegen lassen. Und wenig später leise atmend mitfiebern. Ich empfehle: statt eines Spielabends beim nächsten Mal einfach Game Night schauen. Ihr könnt nur gewinnen.

Us (2019)

Nach Jordan Peeles formidablen, weil innovativ mit dem Genre spielenden, Get out findet Us zwar großteils ebenfalls einen ähnlich düster-dunklen, sozial anklagenden Ton, bleibt aber gerade in der Prämisse, warum und zu welchem höheren Zweck die Antagonisten so handeln wie sie es tun, zu oberflächlich. Besonders im Hinblick auf die zuvor aufgebaute, mahnende Anklage ist der Twist am Ende (obwohl bereits zuvor erahnt) zwar interessant etabliert, jedoch handlungsseitig irrelevant aufgelöst. Anders gesagt: Mehr Show als Niveau. Us will tiefsinnige Fragen stellen, verpackt diese aber in einfache Horrorformeln und findet keine plausiblen, finalen Antworten. Aber auch einfache Horrorfilme wollen das ja zumeist nicht.

Glass (2019)

M. Night Shyamalans Trilogie, die mit Unbreakable begann, mit Split weiterging und letztendlich mit Glass ihren Abschluss findet, kann in Gesamtheit wahrscheinlich als die intelligenteste Comicverfilmung gesehen werden. Hier werden Heldenklischees in irre Figuren gepackt und nach und nach dekonstruiert. Oder vielleicht doch eher manifestiert? Auf jeden Fall nachvollziehbar finalisiert. Glass glänzt vor allem wieder mit einem multiplen James McAvoy, flankiert (aber leider oft sträflich vernachlässigt) vom um sich schlagenden Bruce Willis und geführt vom smart agierenden Samuel L. Jackson. Die Formel stimmt. Die schlussendliche Aussage ebenso. Glass rundet des Regisseurs eigene Comic-Vision positiv ab.

Pet Semetary (2019)

Mary Lamberts Original konzentrierte sich auf die familiäre Situation nach dem tragischen Unfall und spielte mit dem persönlichen, inneren, seelischen Horror aller Familienmitglieder. Psychologischer Horror funktioniert zumindest bei mir immer besser als die explizit-blutige Variante. Die Neuinterpretation legt den Fokus mehr auf die bildhaften Schockmomente, wirkt dadurch zusehends oberflächlicher und lässt uns (und das ist in diesem Fall tödlich) schwer an die Figuren rankommen, weshalb eine Identifikation und darauf aufbauend das obligatorische Mitleiden ausbleibt. Pet Semetary mag stylische Bilder fabrizieren, lässt aber eine Seele vermissen. Das konnte das Original um Längen besser.

Yesterday (2019)

Die Idee ist wahrlich großartig. Eine Welt ohne die Songs der Beatles und nur einer kann die großen Hymnen bewahren, indem er sie selbst singt. Yesterday spielt mit dem Wissen darum, dass jeder Zuschauer die Fab Four kennt und strickt daraus die Geschichte. Und immer dann, wenn es um die Beziehung des Protagonisten (charmant naiv gemimt von Himesh Patel) zu den Liedern der Band geht, zeigt sich die besondere Stärke des Films und offenbaren sich einprägsame Momente. Leider rückt Regisseur Danny Boyle stellenweise zu präsent die verkappte Liebesgeschichte in den Vordergrund. Dabei hätte doch die Liebe zur Musik der größten Band aller Zeiten als handlungsleitendes Element vollkommen ausgereicht.

Im Kino gab es im März tatsächlich noch ein Werk zu sehen, das ich in meiner Rubrik Die k.u.k.-Monarchie noch näher beleuchten werde. Daher bitte demnächst für nähere Informationen auf den Filmtitel klicken. 😉

The Gentlemen (2019) … Kritik coming (hopefully very?) soon

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9 Antworten zu Kurz und knackig: Die Flimmerkiste März 2020

  1. singendelehrerin schreibt:

    Ich find das so schön, dass wir sechs Filme gemeinsam ansehen konnten. ❤️

  2. thursdaynext schreibt:

    Terry Gilliam ist wunderbar, immer wieder neu zu entdecken, eben weil mensch sich nicht alles merken kann. Super Preis- Leistungsverhältnis für DVD Gucker 😉

  3. Nummer Neun schreibt:

    Oh da waren ja einige interessante Filme dabei 🙂 Yesterday und Game Night fand ich auch beide sehr unterhaltsam! The Sisters Brothers etwas öde und Us.. naja bei aller interessanter Absicht hätte es den nicht unbedingt gebraucht…

  4. bullion schreibt:

    Schön, dass dir „Yesterday“ auch gut gefallen hat. War ein super Gute-Laune-Film. 🙂

  5. blaupause7 schreibt:

    Mich hat diese verkappte Liebesgeschichte sehr gestört, und hatte den Eindruck, dass der Film vom Tempo her einfach nicht in die Gänge kam. Und kaum wurde es mal spannend, wurde man auch schon wieder ausgebremst.

  6. Die ersten drei Filme stehen bei mir schon länger auf der Liste. Dein Text schubst sie wieder eine Stufe höher… Ach, es gibt soviele interessante Titel…!

  7. gabelingeber schreibt:

    Hi Steppenwolf – ich hatte Dir gestern mit meinem anderen, neuen Blogprofil einen Kommentar geschickt. Da ich nun bei Blogspot (Filmklassiker aus Old Hollywood) bin, ist er garantiert in Deinem Spam gelandet…
    Vielleicht kannst Du ihn vorkramen…

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