Kurz und knackig: Die Flimmerkiste Mai 2020

Faster, Pussycat! Kill! Kill! (1965)

Russ Meyers Girls-Gangster-Roadtrip ist natürlich auf markante Art dem Trash zugeneigt und ‚glänzt‘ daher mit schauspielerischer Eleganz. Aber fernab von der abstrusen Performance bietet Die Satansweiber von Tittfield (so der deutsche Titel) eine durchaus schlüssige Geschichte, mit toughen Frauenfiguren, deren Figuren (körperlicherseits) zwar des Öfteren dominant in Szene gesetzt, aber keinesfalls sexualisiert werden. Meyer findet sogar einige wunderbar fotografierte Bilder, die das Werk auch visuell überzeugend erscheinen lassen.

Knights of Badassdom (2013)

Mäßig witzige Parodie auf die LARP-Szene und deren mitunter (vor allem für Außenstehende) extrem nerdig-freakiges Verhalten. Eingebettet in ein Turnier und angereichert mit Fantasy- und Horrorelementen schafft es Knights of Badassdom zwar vereinzelt gute Szenen zu kreieren, funktioniert als Gesamtgeschichte aber nur mittelprächtig. Immerhin kann man einzelnen Darstellern den Elan nicht absprechen, insbesondere Community-Star Danny Pudi und Game of Thrones-Ikone Peter Dinklage haben sichtlich Spaß an diesem Quatsch.

The Babysitter (2017)

Eine positive Überraschung ereilte mich mit dieser action-horrorlastigen Home Alone Variante des pubertierenden Cole und seiner sich überraschend anders entpuppenden Babysitterin Bee. The Babysitter wandelt manchmal arg knapp an einer schlechten Parodie entlang, löst diese Problematik durch kleine Twists aber erzählerisch immer rechtzeitig auf. Und bietet mit Judah Lewis als einfallsreichen Protagonisten und Samara Weaving als creepy Antagonistin ein harmonisierendes Duo Infernale. Sorgt auf jeden Fall für kurzweiligen Spaß an babysittenden Abenden.

Heavy Trip (2018)

Die Skandinavier und ihre Metal-Manie bleibt wohl auf ewig ein Rätsel. Aber immerhin lässt sich so die eine oder andere komödiantisch angehauchte Coming-of-Age Geschichte erzählen, die ab und an absurde Momente produziert, im Kern jedoch mit sympathisch entwaffnender Vorschlaghammer-Attitüde auftrumpft und durchweg ungemein liebenswert-andersartige Figuren erschafft. Heavy Trip ist so ein Werk voller unglaublicher Szenen, die aber dennoch in ein polarisierend-plausibles Ganzes eingebettet sind. Für Metalfans aufgrund der zitierten Referenzen Pflichtprogramm, aber auch ansonsten durchaus sehenswert.

Mission Impossible: Fallout (2018)

Die Mission Impossible-Reihe hatte ja immer mal so seine Höhen und Tiefen – nicht nur bezogen auf die mitunter extrem übertriebenen Stunteinlagen ihres Protagonisten und Action-Vorturners Ethan Hunt alias Tom Cruise (oder umgedreht?), sondern auch narrativ. Fallout kommt geerdeter daher, weniger action-überdreht, mehr auf die Geschichte fixiert. Das erlaubt es die Figuren eloquenter zu zeichnen und sie innerhalb der Szenerie ehrlicher und nachvollziehbarer agieren zu lassen. So haben auch die ewigen Sidekicks und Helferlein des Oberagenten Hunt in Form von Simon Pegg und Ving Rhames annehmbare Screentime und konsequentere Charakterzeichnungen. Der sechste Teil der Reihe kann somit durchaus als gelungen angesehen und demnach gern gesehen werden.

Und der Zukunft zugewandt (2018)

Was zu Anfang aufgrund der großartig etablierten Kerngeschichte und die damit verbundene kritische Auseinandersetzung mit den historischen Fakten Interesse weckt, wird leider im Verlauf des Films sehr schnell verwässert und tröpfelt dann auf Fernsehfilm-Niveau mit Liebesfilm-Anwandlungen dahin. Das ist zum einen (und vorrangig) der auf die falschen Erzählelemente fokussierten Regie anzulasten, zum anderen aber ebenso sehr der Protagonistin Antonia Berger, die von Alexandra Maria Lara zu brav, zu bieder und zu einsichtig-durchschaubar interpretiert wird. Und der Zukunft zugewandt lässt einfach viel zu viel Potential liegen und kann so die durchaus wichtige Botschaft nur unzureichend vermitteln.

The Crystal Calls (2019)

Nach dem Konsum der rundum empfehlenswerten Serie The Dark Crystal: Age of Resistance war diese Dokumentation, die die Entstehung und Umsetzung der Serie thematisiert eine zusätzliche Offenbarung. Vor allem die kleinteilige Vorbereitung und extrem aufwendige Umsetzung der Geschichte ist faszinierend. Das fängt bei der baulichen Erschaffung der Welt an, setzt sich bei der Konstruktion der Puppen-Figuren fort und endet (nicht wirklich) bei der Erweckung jener zum seriellen Leben. Man spürt das Herzblut aller Beteiligten – egal ob Szenenbildner, Puppen-Animateure oder auch der rastlose Regisseur des Ganzen Louis Leterrier. Diese Begeisterung überträgt sich schnell auf den Zuschauer und führt dazu, sofort noch einmal in die Welt von Thra eintauchen zu wollen. Wissenswerte und wunderbar ehrlich inszenierte Dokumentation, die restlos überzeugt.

Dieser Beitrag wurde unter Erde, Mensch, und Ich abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu Kurz und knackig: Die Flimmerkiste Mai 2020

  1. singendelehrerin schreibt:

    Ich scheine die Einzige zu sein, die „Fallout“ nicht besonders gemocht hat. Wobei, wenn dieses unmögliche Ende (zum Thema „geerdeter“?!??) nicht gewesen wäre, hätte er mir wohl auch gefallen. Ethan Hunt hätte sterben müssen, dann wäre das für mich nachvollziehbar gewesen…

  2. Nummer Neun schreibt:

    Kann ich dann davon ausgehen, dass in der Flimmerkiste Juni der neuste Ulmen/Tschirner Tatort besprochen wird? 😉

    Und Fallout ist natürlich großartig! Und von Russ Meyer habe ich noch nie irgendwas gesehen.

  3. Filmschrott schreibt:

    Den Babysitter fand ich ja größtenteils langweilig. Klischeegewichse ohne Ende, sehr bemühter Humor und diese dämlichen Texteinblendungen gingen mir nur aufn Sack. Aber die Effekte waren nett. Dann doch lieber mal wieder Russ Meyer. Könnte ich mich auch mal eingehender mit beschäftigen.

    PS: Danke für den Reminder, dass ich bald mal die Crystal Serie gucken sollte. Irgendwie schiebt die sich immer aus meinem Gedächtnis.

  4. bullion schreibt:

    „Knights of Badassdom“ fand ich auch nicht sooo toll (wie er hätte sein können), aber irgendwie auch sympathisch auf seine trashig/dämliche Art und Weise.

Indem Du die Kommentarfunktion nutzt, erklärst Du Dich mit der Verarbeitung Deiner angegebenen Daten durch Automattic, Inc. sowie den Dienst Gravatar einverstanden. Daher wähle weise, aber kommentiere nicht leise.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.