abc.etüden: Die Dose (3)

Zur folgenden Erzählung finden sich weitere Teile, denen gern – auch zum besseren Verständnis – ebenfalls Beachtung geschenkt werden darf:

Teil 1

Teil 2

Der Raum war übersät mit alten, staubigen, unnützen Dingen. Stahlschränke mit rostigen Rahmen, deren Glasscheiben längst vollends zerstört und über den Boden verteilt waren, standen an den kargen, dreckigen und mit allerlei Schmierereien versehenen Wänden. Oder waren – von wem auch immer – umgeworfen worden. Auf den eisernen Tischen ließen sich noch vereinzelte Laborgeräte verschiedenster Art finden: Reagenzgläser, Petrischalen, Messkolben, Standzylinder oder auch Scheidetrichter. Sogar ein Mikroskop konnte man entdecken. Keines der Utensilien war vergessen worden. Vielmehr war ihr Gebrauch aus dem Gedächtnis der Menschen verschwunden. 

Miral hätte kein Laborgerät mit dem richtigen Namen bezeichnen können. Es war ihr auch ziemlich egal, diente der Raum und das gesamte Areal ringsum doch einzig und allein als großer Spielplatz, mit vielen verwinkelten Ecken und kleinen, schwer zu findenden Verstecken. 

Ein Paradies für Kinder. Mirals Lieblingsplatz. Jeden Tag drängte es sie aufs Neue zu diesem Ort. Es war fast wie ein übermächtiges Verlangen danach jedes Schlupfloch, jeden Mauervorsprung und jede Tür des Komplexes – und das Überraschende dahinter – ausführlich zu erkunden. Endlose Stunden des sorglosen Herumtobens erwarteten Miral. 

„Solange Mama mich nur nicht hier findet.“ Flüsterte sie leise vor sich hin. „Für sie ist dies ein böser Ort. Mit bösen Geistern.“ 

Miral schaute sich erneut nach einer Lücke im Gemäuer um, durch das sie in den nächsten Raum schlüpfen konnte, ohne von Asker gesehen zu werden. „Was auch immer Mama damit meint.“  

Das plötzliche Geräusch kam ganz aus der Nähe. Miral duckte sich und nutzte einen der Stahlschränke als Deckung. „Asker ist heute gut drauf.“ Dachte sie, lugte kurz um die Ecke, erblickte aber niemanden. Allerdings hörte sie etwas schnüffeln, gefolgt von einem schweren Schnauben. Miral quetschte sich instinktiv näher an die Wand und verhielt sich mucksmäuschenstill. Sie wußte sogleich, was sich ihr langsam aber zielstrebig näherte.

„Was machen DIE hier?“ Miral verharrte regungslos.

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Die Etüden – ein wundervolles kleines Projekt, dass an dieser Stelle näher beschrieben wird und gern noch weiter in die Bloggerwelt getragen werden darf.

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6 Antworten zu abc.etüden: Die Dose (3)

  1. Christiane schreibt:

    Komm schon, da geht noch was! Noch dazu bei deinen eigenen Wörtern … 😉
    Und wieder diese geheimnisvollen DIE da draußen …
    Bin gespannt.
    Liebe Grüße
    Christiane 😀

  2. singendelehrerin schreibt:

    Diese Geschichte muss UNBEDINGT zu Ende erzählt werden! Ich will mehr über diese Welt wissen.

  3. Pingback: Etüdensommerpausenintermezzo 2020 – Hinter den Kulissen | Irgendwas ist immer

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