abc.etüden: Die Dose (4)

Zur folgenden Erzählung finden sich weitere Teile, denen gern – auch zum besseren Verständnis – ebenfalls Beachtung geschenkt werden darf:

Teil 1

Teil 2

Teil 3

„Das Anschleichen funktioniert noch perfekt. Du hast also nicht alles vergessen, Tyra.“ Lobte ich mich selbst. DIE war augenscheinlich allein unterwegs, was die Aufgabe zwar nicht unbedingt angenehmer, aber doch einfacher machen würde. „Gut, dass Asker schnell mit der Sprache herausgerückt war, sonst wäre Miral schon längst in einer ausweglosen Lage.“ Ich näherte mich dem Raum. DIE schnüffelte noch immer wie wild, ohne aber meine Anwesenheit zu bemerken. Ich entdeckte ein achtlos herumliegendes Reagenzglas und warf es Richtung Korridor, wo es laut scheppernd zerbrach und DIE zu einer abrupten Richtungsänderung verleitete. Der Moment für die Verwandlung war gekommen. Jetzt oder nie!

Miral kroch hinter dem Stahlschrank hervor und beobachtete staunend das Schauspiel: Tyra hatte sich in einer geduckten, katzenhaften Bewegung DIE genähert, schoß blitzschnell daran vorbei und zückte gleichzeitig ein glänzendes Messer, dass sich ohne Vorwarnung in die linke Seite von DIE bohrte. Tyra suchte kurz Deckung hinter einem Türvorsprung, drehte sich, nahm erneut Anlauf, rutschte gewandt unter der stockstarren Kreatur hindurch, griff nach dem nun rötlich gefärbten Messer und malträtierte DIE ein zweites Mal. Der Überraschungsmoment war nun zwar dahin, aber die stark blutende Wunde veranlasste den Gegner unter lautem Gejaule zu einem abrupten Rückzug. Tyra fauchte kurz hinterher und richtete sich schnell wieder zur vollen Größe auf. Ihre eben noch rot leuchtenden Augen nahmen den bekannten und vertrauten, blauwarmen Farbton an. 

„Mama, du bist übermächtig!“ Entfuhr es Miral in einem verblüfften Aufschrei. „Und du bist… 

Eine Katze?“ Fügte sie erstaunt hinzu.

Ich lief zu Miral und nahm sie fest in die Arme. „Hatte ich dir nicht verboten hier zu spielen?“ Ich wollte böse klingen, war im Grunde aber nur froh, dass meinem Ein und Alles nichts passiert war. Miral löste sich sanft aus der Umklammerung und schaute mich mit großen, fragenden Augen an.

„Bin ich auch eine Katze?“

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Die Etüden – ein wundervolles kleines Projekt, dass an dieser Stelle näher beschrieben wird und gern noch weiter in die Bloggerwelt getragen werden darf.

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5 Antworten zu abc.etüden: Die Dose (4)

  1. Christiane schreibt:

    Unerwartet, die Wendung, in der Tat. Jetzt ist es ja fast schon deutlich und das Rätselraten … zumindest konkreter. Schade, dass du so viel Zeit zwischen den einzelnen Teilen liegen hattest. Könnte eine gute Sache für das Etüdensommerpausenintermezzo sein, die Story weiterzuschreiben.
    Liebe Grüße
    Christiane

  2. Pingback: Etüdensommerpausenintermezzo 2020 – Hinter den Kulissen | Irgendwas ist immer

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