Die k.u.k.-Monarchie: The Gentlemen in KW 10/2020 vs. Inception in KW 25/2020

Fünfzehn Wochen, also fast vier Monate, liegen zwischen dem letzten Kinobesuch vor dem allseits bekannten Lockdown (der uns alle in diesem 2020 über den Weg gelaufen ist) und dem ersten Kinobesuch danach. Dieser Triumph der Reunion von meiner Wenigkeit und der großen Leinwand muss nun endlich auch rezensierende Früchte tragen, um meine ebenfalls erst in diesem Jahr ins Leben gerufene Rubrik wieder willkommen zu heißen: Die k.u.k.-Monarchie. Hier noch einmal kurz erklärt, weil es ja auch schon so lange her ist…

Ich habe im zurückliegenden Jahr einige Konzerte besucht, die alle auf ihre eigene Art memorabel waren, aber leider nicht auf diesem Blog eine (wenn auch kleine) Würdigung erfahren haben. Mit dieser neuen Rubrik – die in Anlehnung an eine historische Allianz zweier Reiche als k.u.k-Monarchie betitelt ist – soll der Versuch unternommen werden, zeitnah die Konzerte in diesem Jahr (und hoffentlich fort folgend) zu resümieren. Und weil es mir ebenso ein besonderes Anliegen ist meine gesehenen Kinofilme aktueller zu rezensieren (und natürlich, weil das zweite ‚k‘ dieser Rubrik seine Berechtigung haben soll), werden ebenso diese Highlights hier ihren wohlverdienten Rahmen erhalten.

KINO

Wann: 03.03.2020 — Wo: The Light Cinemas Halle — Was: The Gentlemen (OV, 2020)

Da spürt man ihn wieder. Den alten Biss, den Regisseur Guy Ritchie seinen Filmen vor allem in den Anfangsjahren seiner Karriere hat angedeihen lassen. Das Gespür für Figuren, die in ihrer spleenig-skurrilen Andersartigkeit, dem egozentrischen Gehabe und der unbedingten Arroganz der Überheblichkeit durch die zumeist nicht so ganz im legalen Milieu veranschlagten Szenerien stolzierten. Manchmal auch ein wenig taumelten, nicht unbedingt aufgrund alkoholischem Einflusses, sondern vielmehr der erzählerisch geschlagenen Hasenhaken und den munter agierenden, dabei aber immer überraschenden Schwankungen der Geschichte geschuldet.

The Gentlemen kehrt zu diesen Wurzeln zurück und bringt ein illustres Ensemble spielfreudiger Akteure gleich mit. Allen voran Matthew McConaughey als eigentlicher Protagonist, der mit Vehemenz seine Marihuana-geschwängerten Finger im Spiel hat und die Dominanz darüber mit allen Mitteln verteidigt. Flankiert wird er von einer Riege rigoros vorgehender Mit- und Gegenspieler. Darunter ein äußerlich elitär-elegant auftretender Charlie Hunnam, dessen schmierig-schmutziges Inneres nur sporadisch zum Vorschein kommt. Oder ein Colin Farrell, der unter dem Deckmantel einer schlurfig-schläfrigen Jogginghosen-Attitüde sein wahres Ich verbirgt und wahlweise an die Oberfläche holt. Nicht zu vergessen Hugh Grant – schleimig, hinterhältig, großspurig, überheblich und dabei stets und ständig mit einer komödiantischen Ader ausgestattet. Der hatte in seiner Rolle augenscheinlich besonders viel Spaß. Guy Ritchie schickt alle in ein Spiel voller kruder Begebenheiten, garniert mit derben, herben, aber auch oft extrem amüsanten Sprüchen und besprenkelt mit hübschen, kleinen Rätselsplittern, die nach sorgfältigem Zusammensetzen ein Gesamtbild produzieren, das ohne Umschweife als hochunterhaltsam bezeichnet werden kann. The Gentlemen ist ein Gangsterfilm mit Charme und Hirn. Irgendwie aber auch ein irre komisches Konstrukt aus verwirrenden Geschichten, deren (blut)roter Faden langsam, aber stetig zu einem stimmigen Ganzen geflochten wird und somit für knapp zwei Stunden spritzige, kurzweilige Unterhaltung sorgen kann. The audience is amused, Mr. Ritchie. Bitte weiter so!

KINO

Wann: 22.06.2020 — Wo: CinemaxX Halle — Was: Inception (OV, 2010)

Bereits zehn Jahre auf dem Buckel und doch kein Stück gealtert, flimmerte Christopher Nolans im Science Fiction Gewand verpackter Heist-Movie noch einmal über die Kinoleinwand. Was natürlich eine durchaus sinnvolle Idee ist, glänzt der Film eben auch besonders durch imposante Bilder, die sich in ihrer szenischen Brillanz zu überbieten scheinen. Das erzählerische Grundkonzept von Inception erlaubt dem Regisseur außerdem mühelos von urban-überfüllten Innenstädten (in Zauberwürfel-Verschiebungsoptik) zu karger Schneelandschaft irgendwo im Nirgendwo zu wechseln. Visuell ein Hingucker, steht die Geschichte dem in nichts nach und wird von der Präsenz seiner Akteure getragen, die sich traumhaft-traumwandlerisch (Ja, diese Wortwahl ist genau so intendiert!) sowohl durch die Köpfe der jeweiligen Zielpersonen als auch in die Köpfe der Zuschauer infiltrieren, dort ihr (Un)wesen treiben und beide verwirrt und metaphorisch kopflos zurücklassen. Inception macht einige Ebenen auf. Filmisch in Form der wortwörtlich immer tiefer in die Gedanken der Zielperson vordringenden Protagonisten. Aber ebenso psychologisch, wenn er Dominick Cobb mehr und mehr in seinem eigenen, geschaffenen Labyrinth aus Erinnerungen verloren gehen lässt. Dieses anwachsende, irre Momentum und das sich steigernde Chaos im Kopf der Hauptfigur verkörpert Leonardo DiCaprio mit immenser Inbrunst, bis zur völligen Verausgabung. Aber auch wenn er als Fixpunkt gilt, stehen ihm fähige schauspielerische Helfer zur Seite, von denen insbesondere Cillian Murphy (als hadernd-holprige Zielperson) und Joseph Gordon-Levitt (als stoischer Cobb-Buddy) auf männlicher sowie Ellen Page (als das gute Gewissen und die sorgende Seele mit Durchsetzungskraft) auf weiblicher Seite glänzen dürfen.

Nolans ‚Zeit-Spleen‘ durchzieht natürlich auch Inception bis in die tiefste Ebene des Bewusstseins, dient dabei als Dreh- und Angelpunkt und gleichzeitig als Spannung erzeugender Faktor. Und auch wenn der Film den einen oder anderen Moment der unlogischen Narration aufzuweisen scheint, fügen sich diese marginalen Augenblicke doch unproblematisch in das Hirnschmalz anregende Gesamtwerk ein. Inception verlangt nach einem aufmerksamen Rezipienten, der sich zwar kurzzeitig von den visuellen Highlights ablenken lässt, aber schnell und bewusst (!) wieder in die Erzählspur eintaucht, weil nur so der verschachtelt-quere Plot nachzuvollziehen ist. Aber keine Angst: Niemand hat den Film damals nach nur einem Sehdurchgang wirklich überblicken, geschweige denn durchschauen können. Dafür bietet Inception einfach zu viele Elemente, die es puzzleartig zu verbinden gilt. Wiederholungstäter sind hier deshalb mit Freuden erwünscht und für Neueinsteiger ist es eh nie zu spät. Denn wie bereits erwähnt: Christopher Nolans Opus magnum ist erhaben gealtert und bleibt weiterhin ein Filmtipp par excellence.

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