Das Lied zum Sonntag 26/2020

Werte Gemeinde,

wir müssen reden! Über Rassismus und deren Darstellung in medialen Produkten.

Also eigentlich über Otto Waalkes, dem Rassisten vor dem Herrn. Zumindest könnte man dies von ihm annehmen, verfolgt man die in der letzten Woche entbrannte Diskussion über einen fünfunddreißig Jahre alten Film des ostfriesischen Komikers. Von einer rassistischen Darstellung, die aus der Zeit gefallen ist wird (zum Beispiel hier) geredet. Von ironischem Rassismus, der nicht weniger gefährlich ist, als der real (leider heute noch immer) existierende.

Fakt ist: Es gibt diese (aus heutiger Sicht) rassistische Attitüde immer wieder in medialen Produkten der Vergangenheit. Ottos erster Film ist nur ein Beispiel aus bereits zuvor diskutierten (wie Lindgrens Pippi Langstrumpf Buch oder auch Filme wie Gone with the wind und Serien wie Fawlty Towers).

Der springende Punkt ist das auch in dem Argument ‚aus der Zeit gefallen‘ auftretende Wort ‚Zeit‘. Aus historischer Sicht sollte nicht die Tilgung derlei rassistischer Anwandlungen aus den medialen Produkten gefordert, sondern ein diskursiver Umgang damit angestrebt werden. Jedes mediale Produkt ist das Kind seiner Zeit und sollte im Kontext dieser Epoche betrachtet werden. Den kulturellen Output der Vergangenheit aufgrund rassistischer Tendenzen zu verdammen, dient nicht der Aufklärung, sondern einzig populistischen Zwecken.

Eine argumentierende Revision darf daher gern sein, solange diese nicht in Zensur am Werk ausartet. Eine bessere (auch mediale) Zukunft zu gestalten heißt auch immer aus der medienhistorischen Vergangenheit zu lernen.

Nehmen wir uns also die Zeit, auch hinterm Deich…

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6 Antworten zu Das Lied zum Sonntag 26/2020

  1. Nummer Neun schreibt:

    Wahre Worte. Wie schlimm stände es um unsere Erinnerungskultur, wenn man z.B. alle KZs dem Erdboden gleich gemacht hätte – wie gegenwärtig wäre das Schrecken dann noch? Die richtige Einordnung ist entscheidend. Die Vergangenheit zu tilgen oder anzupassen hätte dagegen deutliche Elemente von „1984“.

  2. steffelowski schreibt:

    Mann, Mann, Mann….ich finde diese Diskussionen derzeit wirklich anstrengend und z.T. peinlich. Lasst doch die Filme sein, wie sie sind. Inzwischen hat sich unsere Gesellschaft halt in eine andere Richtung entwickelt. Sollte sich wer an irgendwelchen Inhalten stören, kann er/sie/es ja gern ab- oder umschalten.
    Grad gestern habe ich zu dem Thema auch etwas in einem Podcast gehört. Da ging es um den Klassiker „Frühstück bei Tiffanys“. Also, eigentlich. Die meiste Zeit hat man sich über nur über den von Mickey Rooney dargestellten Japaner ereifert. Wäre ja total rassistisch usw. Ich wette, als der Film damals im Kino bzw. dann später im TV lief, haben diese Szenen ganz sicher für so manchen Lacher gesorgt. Und niemand fühlte sich damit schlecht. So ändern sich eben wie Zeiten.

    • Stepnwolf schreibt:

      Sehe ich eben auch so. Filme sind ja immer Abbild der Zeit, in der sie entstanden sind (unabhängig davon, in welcher Zeit die Geschichte selbst spielt) und spiegeln demnach auch die damalige vorherrschende Meinung wieder. Mich hat die Diskussion schon damals bei dem Astrid Lindgren Beispiel genervt. Sollen wir jetzt alle alten literarischen Klassiker und alten Filme einer Revision unterziehen, weil dort die aus heutiger Sicht falschen Worte sprechen oder, wie dein Beispiel, die falschen Schauspieler stereotypische Szenen zeigen? Das kann’s dann ja auch nicht sein. Ich halte diesen Weg für nicht korrekt und Diskussionen darüber für wenig zielführend.

      • steffelowski schreibt:

        Ja, lächerlich. So hemmt sich die Kultur, und insbesondere das Filmbusiness, selbst. Das will doch niemand.
        Ich gucke mir morgen im Kino „Dirty Harry“ mit Clint Eastwood an. Bis ins Kleinste sexistisch, rassistisch und politisch herrlich unkorrekt. Ich freue mich, die 45er Magnum mal wieder auf der großen Leinwand zu sehen.
        🙂

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