Kurz und knackig: Die Flimmerkiste August 2020

Mädchen Mädchen (2001)

Damals ein veritabler Kinoerfolg, lebt diese Teenagerkomödie einzig und allein von den Hauptdarstellerinnen, die in ihrem jugendlichen Leichtsinn des Alles-Probieren-Wollens, gepaart mit der romantischen Vorstellung der großen, wahren Liebe, charmante Momente produzieren. Dass wir es mit durch die Bank stereotypischen Figuren zu tun haben, die sich an klischeeisierten Szenen entlang hangeln, ist zwar klar, schadet in der Summe aber nur wenig, weil das Zusammenspiel der drei Mädels halt so gut klappt.

Mädchen Mädchen 2 – Loft oder Liebe (2004)

Erfolge provozieren natürlich Nachfolger. Den Charme des Unbekannten haben die Protagonistinnen nicht mehr, aber immerhin wird der Versuch unternommen eine Art Weiterentwicklung der Charaktere zu suggerieren, wenn dies auch in einem Fall in übertriebener Form erfolgt (Diana Amfts Inken wird in ihrer tollpatschigen Naivität doch arg überspitzt dargestellt). Die Fortsetzung ist noch klamaukiger, stellenweise extrem schmalzig und häufig mit Fremdschämpotential ausgestattet. Die Harmonie der Akteurinnen funktioniert zwar erneut ganz passabel, aber über Sonntagnachmittag-Fernsehfilm-Niveau kommt dieser zweite Teil zu keiner Zeit hinaus.

Kill Bill: Vol. 1 (2003) & Kill Bill: Vol. 2 (2004)

Tarantino zaubert ein von vorne bis hinten passendes Rachewerk auf die häusliche Leinwand und zelebriert und referenziert sich dabei durch die ihm liebsten Filmgenres. Während Part 1 dem Eastern und dessen stellenweise überstrapazierten Gewaltspitzen huldigt, kommt Part 2 im Westernstyle daher. Der eine knallig bunt und übertrieben. Der andere bedächtig (visuell) farblos und staubig monochrom gehalten. Aus dem ersten trieft des Regisseurs Vorliebe für blutige Gemetzel, während der zweite seine spitzzüngige Wortgewandheit in den Fokus rückt. Dreh-, Angel- und unübersehbarer Mittelpunkt der Geschichte und mit ihrer Dominanz alle – in großen Horden auftretenden – Nebenstars zu eben das, nämlich Nebenfiguren, degradierend, zieht Uma Thurman als The Bride ihren Rachefeldzug bis zum Ende durch und glänzt dabei in jeder Szene. Kill Bill zählt für mich im Oeuvre des Regiemeisters zu den gelungensten Vertretern und macht bei jeder erneuten Sichtung noch immer viel Spaß.

Big Hero 6 (2014)

All die Jahre dachte ich, es hier mit einem Kinderfilm rund um einen knuffigen Roboter zu tun zu haben und dann schaue ich Baymax und mir offenbart sich eine klassische Superheldengeschichte. Noch dazu eine überaus sympathische, da sowohl die Hauptfigur durch die Coming-of-Age Struktur des Films als auch der liebenswert-naive Sidekick wunderbare Wohlfühlmomente fabrizieren. Manchmal zum Brüllen komisch, findet der Film aber auch eine gute Balance zu den – für die (Selbst)Findung – notwendigen dramatischen Augenblicke. Big Hero 6 funktioniert (ohne es praktisch getestet zu haben) sicher wundervoll als familientaugliches Gesamtkonzept, da wirklich jeder Zuschauer – egal welchen Alters – an den Figuren und der Geschichte Gefallen finden wird.

Knives out (2019)

Ein Who-is-who an Schauspielern in einem Whodunit-Film, der seine klassische Ader nicht verbergen kann. Ab und an kurzweilig lustig angelegt, mitunter sich eine wenig zu selbstverliebt in der Geschichte verlierend und leider die einzelnen, auftretenden Figuren – die in der wirklich schönen Eingangssequenz kurz und knackig (!) charakterisiert werden – im Verlauf des Films komplett vergessend, fixiert Knives Out sehr schnell auf eine bestimmte Person, um genau diese dann auch als ‚Täter‘ zu präsentieren. Das nimmt dem Werk zwar den kriminalistischen Spannungsfaktor, lässt den Zuschauer aber immerhin dem amüsanten Schauspiel ungehindert folgen. Als Krimi taugt Rian Johnsons Werk nur bedingt. Unterhaltsam ist er aber allemal. Das ist ja  zumindest etwas.

The vast of night (2019)

Erster Gedanke beim Schauen: Warum reden die so viel? Zweiter Gedanke: Sieht aber auf jeden Fall stylisch aus in diesem Schwarz-Weiß, dass so gut die porträtierte Zeit einfängt und somit Authentizität suggeriert. Dritter Gedanke: Ist irgendwie eine Hommage an Orson Welles‘ Radiohörspiel War of the worlds, scheint mir. Andrew Patterson schafft hier ein filmisches Kleinod, das mit Sicherheit von vielen gar nicht beachtet wird, da zu dialoglastig und keinerlei Action beinhaltend, ergo einfach aufgrund der irgendwie non-filmischen Erzählstruktur (Stichwort Hörspiel) zu langweilig und wirr erscheinend. Dabei ist The vast of night durchaus spannend, sofern man sich auf die unablässig redenden, rennenden, telefonierenden Protagonisten einlässt. Künstlerisch ansprechend, visuell den bereits erwähnten Welles zitierend, entsteht ein kurioses, kleines Kunstwerk von Film, das durchaus begeisternde Momente entfalten kann.

Judy (2019)

Das Biopic über Judy Garland nimmt als Aufhänger eher die Endphase der leider zu früh verstorbenen Sängerin/Schauspielerin und erzählt davon ausgehend in Rückblicken vor allem den durch viele Tiefen geprägten privaten Werdegang. Renee Zellweger mimt die Grandezza mit angemessener Grazie und gleichzeitig einer zutiefst verletzlichen Seele mit Bravour und trägt den ansonsten doch recht konservativ erzählten Film über seine Laufzeit. Judy zehrt schon sehr von dieser Performance, hebt sich aber dennoch nicht besonders von ähnlichen Werken des Genres ab. Für Freunde und Verehrer der großen Judy Garland sicher sehenswert. Für den großen Rest kein filmisches Muss.

The Lighthouse (2019)

Wenn flatulente Tendenzen und feurige Flüche nach dem Schauen des Films im Hinterkopf bleiben, kann das kein gutes Zeichen sein. Oder vielleicht doch? The Lighthouse ist Arthouse at its best! So kunstvoll wird hier jedes Bild in Szene gesetzt. So klangkonzeptionell ausgereift wird jeder Ton zu einem wichtigen Teil der Erzählung. So unspektakulär spektakulär werden alltägliche Tätigkeiten der handelnden Figuren eingebunden. So schauspielerisch auftrumpfend, einander übertrümpfend agieren sowohl der junge Thomas (ein stoisch-verschlossener Robert Pattinson) als auch der alte Thomas (ein grummelig-harter Willem Dafoe). Nach dem bereits visuell unkonventionell umgesetzten The VVitch packt Robert Eggers noch eine Schippe drauf und präsentiert dem geneigten Publikum ein diskussionswürdiges Werk mit am Ende vielen offenen Interpretationsansätzen, das dem Anspruch ‚Love it or hate it‘ im vollen Umfang gerecht wird. Love it!

Der Kino-August wartete mit drei Werken auf, von denen zwei demnächst noch in meiner Rubrik Die k.u.k.-Monarchie näher beäugt werden. Der dritte ist ein alter Klassiker, über den eigentlich nicht mehr viel gesagt werden muss:

Back to the Future II (1989)… Ist und bleibt zeitlos, funktioniert als Mittelteil allerdings auch nur mit Kenntnis des Vorgängers, weil sonst große Teile der Handlung und dessen immanente Einbindung nicht verstanden werden und damit der Spaß an der Geschichte verloren geht. Lebt ungemein von der fabelhaften Chemie zwischen Michael J. Fox und Christopher Lloyd. Und hat mit Thomas F. Wilson einen großartigen Bösewicht im Repertoire. Köstlich! Einfach nur köstlich.

Der Geburtstag (2020)… Kritik coming soon

Tenet (2020)… Kritik coming soon

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6 Antworten zu Kurz und knackig: Die Flimmerkiste August 2020

  1. singendelehrerin schreibt:

    Du hast den blutjungen Max Riemelt gar nicht erwähnt! 😜

  2. Nummer Neun schreibt:

    Knives Out war doch wirklich schöne Unterhaltung (und mit einer bezaubernden Hauptdarstellerin). The Lighthouse ist auch stark, hatte auf der große Leinwand eine ziemlich Wucht. Alleine schon der Sound!

    Tenet steht bei mir am Mittwoch an, habe es bisher geschafft, so gut wie alle Reviews zu umfahren.

    • Stepnwolf schreibt:

      „The Lighthouse“ hab ich leider im Kinoverpasst, da musste es also die heimische Leinwand richten.
      Bei „Tenet“ wünsche ich viel Spaß, egal, in welche Richtung. 😉

  3. Wörter auf Reise schreibt:

    Knives Out fand ich unterhaltsam, ansonsten aber stark überbewertet. The Lighthouse mochte ich auch sehr, hätte ich im Vorfeld gar nicht erwartet, einzigartiges Schau-Erlebnis. Back to the future 2 liebe ich, Kill Bill muss ich mir mal endlich anschauen 😀
    LG Nadine

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