Kurz und knackig: Die Flimmerkiste September 2020

Don‘t look now (1973)

Der dreckige Hinterhof-Look Venedigs, gepaart mit den schmerzlich-verletzten Seelen der Protagonisten erzeugt einen surrealen Effekt. So klar fokussiert der Alltag des Ehepaars Laura (emotional evolvierend interpretiert von Julie Christie) und John Baxter (Donald Sutherland agiert stellenweise abwesend und mit einer kühlen Distanzierung) anscheinend zu sein scheint, so auf den Punkt werden die zerstörerischen Tendenzen darin eingewoben. Im Gesamten ergibt dies eine sich immer mehr steigernde psychologische Phobie, die in einem gewaltvollen Finale endet. Nicolas Roeg bindet die Stadt als dritten Protagonisten gekonnt in die Geschichte aus Verlust und Trauer(bewältigung) ein und boxt uns immer wieder unsanft in die Magengrube. Ein Werk, dass die Akteure zer- und den Zuschauer verstört zurücklässt.

Avengers: Infinity Wars (2018) & Endgame (2019)

Dazu gibt es nicht viel mehr zu lobhudeln als die Worte, die ich bereits zurückliegend verfasst habe (ein Klick auf den Titel offenbart das ganze Ausmaß). Beide Werke als Gesamtkonzept funktionieren ausgesprochen gut und runden die über Jahre aufgebaute(n) Geschichte(n) rund um unsere Helden fast perfekt ab.

They shall not grow old (2018)

Dramaturgisch perfekt aufgebaut, zeigt uns Peter Jackson in dieser Dokumentation die grausamen Grabenkämpfe des Ersten Weltkriegs und lässt die aus dem Off erzählenden Zeitzeugen den Irrsinn von Kriegen allgemein und diesem hier ganz besonders hervorheben. Die Kolorierung der Bilder macht das Unfassbare fassbar und schmerzlich real. Die akustische Untermalung intensiviert das Gefühl des hilflosen Daseins jedes einzelnen im Bild auftauchenden Soldaten im Angesicht des nahenden Todes. Da ist definitiv nichts spielfilmhaft heroisch. Hier ist einfach nur blankes, unmittelbares Sterben zu sehen. Nach diesem Film wird einem bewusst, dass dieser mehr als einhundert Jahre alte Konflikt Wirklichkeit war und das Verbrennen von so vielen jungen Menschenleben für einen Landgewinn von ein paar hundert Metern nicht sinnloser sein konnte.

Anna (2019)

Der war überraschenderweise besser als vor der Rezeption gedacht. Sasha Luss macht in ihrer Rolle als unterkühlt coole Agentin eine durchweg überzeugende Figur – insbesondere natürlich schauspielerisch. 😉 Luc Bessons nonlineare Erzählstruktur kaschiert ein wenig die am Ende doch geradlinige Geschichte, kann aber mit einigen attraktiven Nebenrollen aufwarten (u.a. Helen Mirren als skrupellose KGB-Vorgesetzte). Der Regisseur kehrt mit Anna – erzählerisch gar nicht mal so schlecht – zu seinen Agententhriller-Anfängen à la Nikita zurück und rückt erneut eine starke Frauenfigur in den Mittelpunkt. Für einen entspannten Filmabend durchaus geeignet.

Jumanji: The next level (2019)

Apropos entspannter Filmabend: Teil 2 der Jumanji-Neuauflage wartet erneut mit kurzweiliger Unterhaltung auf, hat gegenüber seinem Vorgänger aber doch stellenweise ein wenig Leerlauf im Repertoire, auch weil Jake Kasdan krampfhaft den Versuch unternimmt Gags zu platzieren, die dann irgendwie wirkungslos verpuffen. Dennoch: die Chemie zwischen den bereits bekannten, alten Protagonisten passt auch hier und mit Awkwafina gesellt sich eine neue, interessante Figur hinzu. Den komödiantischen Vogel schießen aber definitiv die beiden grantelnden Alten ab (stets kabbelnd und brabbelnd gemimt von Danny DeVito und Danny Glover). Wer den ersten mochte, wird auch hier seinen Spaß dran haben.

Underwater (2020)

Vorweg das Positive: Underwater sieht visuell wirklich gelungen aus und transportiert das klaustrophobisch erdrückende Gefühl der Tiefsee respektabel auf den heimischen Bildschirm. Auch akustisch können die Szenerien punkten. Leider hat die Geschichte mit seiner übernatürlichen Komponente ein wenig über das Ziel hinausgeschossen. Eine verdichtete Konzentration auf die Rettung der Crewmitglieder unter extrem widrigen Umständen hätte dem Film gut getan. Dass alle Akteure nicht aus ihrer zu stereotypisierten Haut fahren können und überhaupt nur unzureichend charakterisiert werden – was insbesondere bei der Protagonistin ins Gewicht fällt – muss man wohl dem Drehbuch anlasten. Ebenso wohl auch William Eubanks Vorliebe für explizite Nahaufnahmen von Kristen Stewart in Unterwäsche.

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2 Antworten zu Kurz und knackig: Die Flimmerkiste September 2020

  1. Nummer Neun schreibt:

    Was denn, das ist der Originaltitel von „Wenn die Gondeln Trauer tragen“? Wow. Soll noch mal einer sagen, die Originaltitel wären per se besser 😀 Ich habe bei dem Film vor allem noch Donald Sutherlands Haare im Kopf…

    Jumanji 2 würde ich auch als bestes Popcorn-Kino bezeichner 🙂

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