#Horrorctober2020 … Ein paar Worte zu Opera, Cube, Der Fuhrmann des Todes, eXistenZ, Crawl und The bad batch

Neben den Serien des #Horrorctober fanden natürlich auch einige Filme den Weg auf meine heimische Leinwand und das war – wie der Liste zu entnehmen ist – eine recht bunte Mischung aus verschiedensten Zeiten und Subgenres, Klassikern und Trash sowie etwas abseitigen Ideen. Widmen wir uns im ersten Teil der Rückschau zuerst einmal sechs der ausgewählten Kandidaten. Der Rest wird natürlich noch folgen.

Körkarlen – Der Fuhrmann des Todes (1921)

Herr, lass meine Seele zur Reife kommen, bevor sie geerntet wird.

Victor Sjöströms Stummfilmklassiker orientiert sich in seiner Geisterebene an Dickens‘ Weihnachtsgeschichte und lässt den Protagonisten des Films (ebenfalls von ihm dargestellt) einen Läuterungsprozess durchlaufen. Die Handlung wird dabei auf mehreren Ebenen durch immer andere Personen erzählt, die einem roten Faden folgend dem finalen Showdown entgegenstreben. Das Setting ist dabei sehr düster und dunkel gehalten, insbesondere der Körkarlen (also der Fuhrmann, der die Toten abholt) provoziert gruselig-creepige Bilder. Sjöström nutzt dabei die ihm zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten optimal aus, um geisterhaft-verschwommene Momente zu fabrizieren. So entstehen schaurige Augenblicke mit intensiven Szenen.

Opera (1987)

Argentos Oper beeindruckt mit opulenten, bunten Bildern voller, auf den Punkt genau choreografierter, visueller Kompositionen, in der vor allem die exzessive und eigenständige Kameraführung immer wieder neue, ungewöhnliche Positionen einnimmt. Der Zuschauer ergötzt sich an den perfekt fotografierten Szenerien, beobachtet die eine oder andere voyeuristisch gefilmte Folterszene und ärgert sich über die stocksteifen, inakzeptablen Schauspielleistungen, die durch eine wirre und wenig zielführende Geschichte stolpern. Ein typischer Argento also.

Cube (1997)

Sechs Personen (mit Namen von Gefängnissen) sind in einem überdimensionierten Würfel gefangen, der mit unzähligen, pervertierten Fallen ausgelegt ist und augenscheinlich keinen Ausweg zu bieten scheint. Cube funktioniert aufgrund des klaustrophobischen Settings, der geheimnisumwitterten, niemals zu fassenden Figuren, der schemenhaften, nicht sichtbaren Außenwelt, des intellektuellen und psychologischen Anspruchs und der nur dezent, dann aber abrupt zelebrierten intensiven Wirkung der Splatterelemente. Ein Kammerspiel, das an den Nerven des Zuschauers zerrt und diesen mit vielen offenen Fragen über das Warum zurücklässt.

eXistenZ (1999)

Just tell me the truth. Are we still in the game?

Cronenberg stellt seinen Bodyhorror mal etwas hinten an und lässt uns in eine Geschichte eintauchen, die verwirrend-verwinkelter nicht sein könnte. eXistenZ spielt (im wahrsten Sinne des Wortes) mit den Realitäten, bis man selbst nicht mehr zu wissen scheint, was wahr und was nur Wahn ist. Dabei schickt er die beiden Protagonisten – Jennifer Jason Leigh als vermeintlich allwissende Spieleentwicklerin und Jude Law als zufällig hineinstolpernder, unbeholfener Sidekick – fluchtartig auf Reisen durch virtuelle und weniger virtuelle Welten, um dann am Ende mit dem gestreckten Mittelfinger Game over zu schreien. Sehenswerter SciFi-Horror mit Kultstatus.

The bad batch (2016)

Was zu Beginn Anleihen an ein mögliches Revenge-Horror Setup nimmt, wandelt sich nach und nach in ein eher dystopisches Endzeitszenario, dessen zeitliche und räumliche Verortung nur schwer zu greifen ist. Ähnlich schwer, wie die Aktionen, die die Protagonistin (reichlich lethargisch gemimt von Suki Waterhouse) vollführt – so undurchsichtig, wenig nachvollziehbar erscheinen diese. The bad batch wimmelt vor skurrilen Figuren, die sich durch eine Wüstenlandschaft voller wüster und verwüsteter Gegenden bewegen, ohne einen wirklichen Halt, geschweige denn ein erkennbares Ziel zu haben. Ana Lily Amirpour findet stylische, detailreiche Bilder, die ein prachtvolles, visuelles Gewand stricken, in das sich die metaphorisch aufgeladene Geschichte zu integrieren sucht, ohne es jemals vollständig zu schaffen. Beileibe kein Horror, sondern vielmehr endzeitlicher Selbstfindungstrip.

 Dieser Film ist gleichzeitig Teil meiner Reihe #52FilmsByWomen.

Crawl (2019)

Das Subgenre des Tierhorrors wartet ja nicht selten mit dem einen oder anderen Alligator auf und geht dann leider viel zu oft nach hinten los. Die Spannung schnappt also eher nicht zu. Crawl kombiniert den Katastrophen- mit dem Horrorfilm und schickt seine Protagonistin auf eine Rettungsmission, die gespickt ist von beißend-reißenden Alligatoren der hungrig-aggressiven Sorte. Das führt zu einigen schön inszenierten Zerstückelungsaktionen und erzeugt in dem vor allem zu Beginn recht minimierten Setting des langsam überflutenden Kellers schnittig-schnelle Spannungsmomente. Das Mitfiebern stellt sich dabei insbesondere durch die ambitionierte Schauspielkunst sowohl von Kaya Scodelario als auch Barry Pepper ein, die beide die natürlich auch hier vorhandenen Logikfehler umschiffen bzw. umschwimmen. Rasant erzählt, mit einigen Handlungsschwächen ausgestattet, aber kurzweilige Spannung aufbauend, kann Alexandre Ajas Werk durchaus gefallen.

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8 Antworten zu #Horrorctober2020 … Ein paar Worte zu Opera, Cube, Der Fuhrmann des Todes, eXistenZ, Crawl und The bad batch

  1. bullion schreibt:

    „Crawl“ fand ich auch sehenswert. Und „The Bad Batch“ klingt spannend. Danke für den Tipp!

  2. Nummer Neun schreibt:

    eXistenZ habe ich damals sogar im Kino gesehen und kam mit dem Film gar nicht klar. Vielleicht sollte ich ihm noch einmal eine zweite Chance geben?

  3. blaupause7 schreibt:

    Wenn schon Reptilien, dann bitte so wie in dieser australischen Low-Budget-Produktion, wo die Heldinnen auf einem Baum ausharren müssen, während sie dem Krokodil unten im Wasser bei seiner grausigen Mahlzeit zuhören. Das Knacken der Knöchelchen ist furchteinflößend.

  4. mwj schreibt:

    „The Bad Batch“ habe ich mir diese Woche auch angesehen und bin etwas zwiegespalten. Einerseits tolle Bilder und Szenerien andererseits recht langatmig. Da hat mir Ana Lily Amirpours erster Film, „A Girl Walks Home Alone At Night“, schon wesentlich besser gefallen.

    https://www.kino.vieraugen.com/dvd/the-bad-batch/

    • Stepnwolf schreibt:

      Ja, ging mir ähnlich. Bildsprachlich durchaus sehenswert. Mit der Story konnte ich allerdings nur bedingt was anfangen, weil sie einfach so vor sich hinmäanderte, ohne ein bestimmtes Ziel zu verfolgen.

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