Das Lied zum Sonntag 2/2021

Werte Gemeinde,

als die Bilder vom Kapitol zu sehen waren, fühlte man sich sogleich zurückerinnert an das vergangene Jahr, vor dem Reichstag, mit seinen verwirrt, querdenkenden, die Stufen stürmenden Menschen. Nur natürlich größer, aggressiver, gewaltsamer und folgenreicher. Aber auch in irgendeiner Art unerwartet?

Mitnichten. Der mit den sich wandelnden demographischen, politischen, ethnischen und sozialen Bedingungen unzufriedene Teil der amerikanischen Bevölkerung (der ‚überraschenderweise‘ eher hellhäutig daherkommt) brodelt schon seit Jahren (wenn nicht sogar Jahrzehnten) leise vor sich hin, blubberte in der Vergangenheit ab und an auch mal etwas stärker (man erinnere sich an eine Sarah Palin und deren republikanischen Abzweig Tea Party) und kochte erst so richtig über, als der ‚Messias‘ laut brüllend und vor allem schreibend die festgefahrenen Ansichten zu bestätigen und manifestieren schien. Donald ‚make myself great again‘ Trump heizte den Herd unaufhörlich an und spätestens seine Wahlniederlage bestätigte den trumpschen Jüngern den Verlust der (vermeintlichen) eigenen überlegenen Autorität gegenüber allem linken Gesocks in den so großartigen US of A.

Das frustrierte Ergebnis zeigte sich dann vor dem Kapitol und bat nicht um Einlass, sondern lud sich kurzerhand selbst ein. Ein kurzer Moment der alten Größe blitzte auf, ohne irgendwie auch nur eigene Größe zu beweisen. Die – wie sollte es auch anders sein? – selbst der scheidende Präsident nicht zeigte. Schürt das Feuer, solange es brennt, war seit Beginn der trumpschen Ära die Maxime des Schreihals.

Nun ist er verstummt. Notgedrungen. Und hoffentlich in weniger als zwei Wochen auch endgültig.

Die Probleme der ältesten Demokratie der Welt werden bleiben. Daran kann auch der neue Präsident für alle Amerikaner nicht wirklich etwas ändern. Aber – so bleibt zu hoffen – zumindest die sich auftürmenden Abgründe ein wenig zuschütten, ohne sie dadurch zu verschütten. Die Uneinigen Staaten von Amerika sollten zuerst einmal Ruhe und dann eventuell sich selbst suchen. Bis dahin ist das wohl auf unbestimmte Zeit

das neue (alte?) Amerika…

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8 Antworten zu Das Lied zum Sonntag 2/2021

  1. blaupause7 schreibt:

    für mich denken die nicht quer, sonder verquer

  2. mwj schreibt:

    Ich hätte eine konstruktiven Vorschlag für alle Leute die „gegen ihren Willen“ in einer Demokratie leben: einfach in eine Diktatur auswandern (z.B. Nordkorea). Problem gelöst.

  3. Nummer Neun schreibt:

    Die The Purge Sirene wäre heute auch passend gewesen.

  4. singendelehrerin schreibt:

    Wahre Worte und fantastisches Lied.

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