#WritingFriday: (2) Agent Luphes is back

In diesem Jahr versuche ich mich mal am #WritingFriday von Elizzy. Heute mit einem neuen Thema aus der Liste, die durch Klick auf den Namen der werten Initiatorin ersichtlich wird. Und es gibt eine Rückkehr einer bereits bekannten Figur, die zuerst bei den Adventüden 2019 auftauchte und dann auf vielfachen Wunsch später noch einmal die Etüden unsicher machte. Wer also gleich dort unten liest, sollte im günstigsten Fall die zwei vorherigen Ursprünge kennen oder sich durch (schon wieder) Klick auf die Links auf den aktuellen Stand bringen. Oder anders gesagt: Das nun folgende schließt an das zuvor erzählte an. 😉

Thema: Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Bitterkalt fing dieser Tag an und ich hatte die Befürchtung, dass…” beginnt.

Bitterkalt fing dieser Tag an und ich hatte die Befürchtung, dass mein hinterlassener Hinweis am Tatort vielleicht doch eine Spur zu auffällig gewesen war und die falschen Personen auf die richtige Fährte führte. Aber das Risiko musste ich eingehen, um auf jeden Fall Ylvies Aufmerksamkeit zu wecken. Sie würde ohne Zweifel den Wink verstehen und dementsprechend handeln. Zumindest hoffte ich das, denn bisher war Ylvie hier noch nicht aufgetaucht. 

„Wobei es auch nicht unbedingt zu erwarten ist, dass mein Schwesterlein bereits zu so früher Stunde putzmunter durch die Eingangstür spazieren würde.“

Den Satz halblaut vor mich hingesprochen, wanderte mein Blick zu eben jener Tür der Stadtbibliothek, weil das sich beim Öffnen entstehende Geräusch – ein knarzend-quietschendes – gerade zu hören war. Keine Ylvie. Noch nicht.

Sie war schon immer die morgenmuffelnde, langsam dahin schlurfende und unverständliche Worte murmelnde kleine Schwester gewesen. Und erst mit der Entdeckung des Kaffees und des defizitär eingesetzten Gebrauchs dieses Gesöffs wurde aus der wandelnden Mumie ein quicklebendiges Etwas, voller Tatendrang und ständig auf der Suche nach der nächsten Herausforderung. Intelligenz, Neugierde und ein unnachahmliches Gespür für den richtigen Moment gehörten zu Ylvies Stärken. Hartnäckiges Nachbohren, Kombinierfreudigkeit und eine unerschütterliche Ausdauer kamen noch hinzu. Ylvie war zwar immer seine kleine, zu beschützende Schwester gewesen, konnte sich aber – um ehrlich zu sein – ganz gut ohne seine Hilfe durchs Leben manövrieren. Solange sie nicht auf den Pfad der Gefühle abdriftete.

„Da agierst du ziemlich hölzern.“

Ich musste leise lachen und dachte an die ein ums andere Mal gescheiterten Annäherungsversuche ans andere Geschlecht. Ylvie war ein Tollpatsch in Sachen Beziehungen. Nobody is perfect. Aber immerhin nutzte sie ihre sonstigen, im Überfluss vorhandenen Fähigkeiten konsequent, um diese für das Wohl aller einzusetzen. Mit anderen Worten: zum FBI zu gehen. Unserm alten Herrn gefiel das ganz und gar nicht. Familie geht immer vor, pflegte er zu sagen. Du solltest dich für uns und unseren Fortbestand einsetzen, warf er ihr an den Kopf. Ylvie konterte meist schlagfertig, zog aber dennoch irgendwann den Schwanz ein und verließ das elterliche Anwesen. Sie tat das, was sie für richtig hielt. Und der Erfolg gab ihr zumindest dahingehend recht. Ylvie fasste schnell Fuß beim FBI und stolperte rasant die Karriereleiter nach oben. Den Kaffee muss sie sich aber wohl noch immer alleine holen, schätze ich mal. 

„Meiner schmeckt jedenfalls.“ 

Ich schlürfte vielleicht ein wenig zu laut am Kaffeebecher, denn der alte, ergraute Bibliothekar, der hier bereits seit heute früh seinen Bücherwagen durch die Regalreihen rollte, sah mich mit vorwurfsvollem Blick an.

„Sie wissen aber schon, dass ihre Tür dort unten um einiges lauter ist, als mein Kaffee, oder?“ 

„Wohl kaum, mein Herr. Die wird, wie alles hier in der altehrwürdigen Stadtbibliothek, regelmäßig gewartet und schließt eigentlich sehr leise. Sie scheinen gute Ohren zu haben, wenn sie da tatsächlich etwas hören sollten. Vor allem auf diese Entfernung.“

Da könntest du allerdings recht haben, alter Mann. Ich las noch einmal flüchtig den Zettel, legte ihn dann in das vor mir liegende Buch und klappte es zu. Ich drehte mich um und beobachtete die sich gerade wieder öffnende Eingangstür. Da war sie! Ylvie! Mit einem Kaffee in der Hand steuerte sie geradewegs auf den Bibliothekar zu. Ich nahm das Buch und stellte es an seinen angestammten Platz zurück. Ylvie machte dem sichtlich überrumpelten alten Mann ihre förmliche, emotionslose Aufwartung und fiel sogleich mit der Tür ins Haus. 

„Agent Luphes. Ich suche die Wolfssonate.“

Sich Freunde machen kann sie, schmunzelte ich vor mich hin und schlich lautlos davon.

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5 Antworten zu #WritingFriday: (2) Agent Luphes is back

  1. singendelehrerin schreibt:

    Mann, ist das spannend! Ich. Will. Mehr. 😊

  2. blaupause7 schreibt:

    Dass in Fortsetzungen zu schreiben richtig Spaß macht, habe ich inzwischen auch schon festgestellt.

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