Kurz und knackig: Die Flimmerkiste Oktober 2020

Wie am Anfang des Jahres reuevoll festgestellt (auch wenn es dort nicht so klang), sind noch einige Beiträge des zurückliegenden Jahres offen, die ich nun nach und nach für euch interessierte Leserschaft (so ist zu hoffen) bereitstelle. Das Flimmerkisten-Programm vom Oktober 2020 macht erstmal den Anfang.

Watchmen: The Ultimate Cut (2009)

Zack Snyders Comic-Adaption ist in der Ultimate Cut Version noch einmal um einiges länger geraten als schon im Original. Positiv bewerten lässt sich daran, dass insbesondere Rorschach mehr Backgroundstory erhält, was sein etwas unkonventionelles Verhalten ein Stück weit legitimiert und die schnipselhaft erzählte Handlung der 2009er Version abrundet. Die großzügigen Platz einnehmenden Comic im Comic-Elemente wiederum bringen für die Handlung rein gar nichts, was angesichts der Länge durchaus negativ ins Gewicht fällt. Dennoch füllt diese Version einige Lücken und Ungereimtheiten des Originalfilms aus, weshalb Watchmen (jetzt erst recht!) noch immer eine der besten und intelligentesten Comicverfilmungen darstellt (wohlgemerkt DCEU und MCU mit eingeschlossen).

Anna and the Apocalypse (2017)

Neeeee, nicht schon wieder Zombies, oder? Ist hier gar kein Problem. Wirklich. Anna and the Apocalypse ist ein Fanfilm für alle Zombiefilm-Liebhaber. Mit viel Charme (Ella Hunt ist vom ersten Moment an die Sympathieträgerin) und Musik tanzt sich das Ensemble des Films durch die nach Endzeit riechenden und von faulig stinkenden Untoten bevölkerten Straßen einer schottischen Kleinstadt, zitiert dabei so ziemlich jedes Klischee eines guten (oder auch nicht so guten) Zombiewerks und wird dabei auf wundervoll reminiszierende Art und Weise nach und nach dezimiert. Nicht schaurig, ein wenig blutig, häufig augenzwinkernd lustig, manchmal leise dramatisch. Sehens- und hörenswert.

I‘m thinking of ending things (2020)

Kennt man Charlie Kaufmans Film-Vita, sollte man wissen, worauf man sich bei einem Werk wie I’m thinking of ending things einlässt. Oder? Es beginnt unscheinbar mit einem Paar im Auto auf dem Weg zu den Eltern. Es wird geredet und es fällt der titelgebende Satz. Aber in Bezug worauf? Auf das Leben, das Universum und den ganzen Rest? Im Verlauf, während des Aufenthalts bei den Eltern, driftet Kaufmans Werk immer mehr ab in eine surreale, ständig mit der erzählten und gefühlten Zeit spielenden, sich mehr und mehr aufbauschenden Geschichte und mündet in ein chaotisch erscheinendes, aus der sowieso schon aufgeweichten Welt des Films fallendes Finale, das ratlos, aber definitiv nicht gefühllos zurücklässt. Alles verstanden? Nein? Keine Angst. Geht mir genauso und ist ein Merkmal kaufmanscher Erzählweise. Man weiß ja, worauf man sich bei ihm einlässt. Oder?

Enola Holmes (2020)

Wenn die Geschichte an sich eher durchschnittlich daherkommt und einige Baustellen zuviel aufmacht, die dann brach liegen, während andere Handlungsstränge lieber hätten in dieser Brache liegen bleiben sollen, dann bedarf es einer Hauptfigur, die diese Umstände durch locker-leichtes Schauspiel zu kaschieren weiß. Millie Bobby Brown gelingt das mühelos. Sie ist der katalysatorische Effekt, diejenige, die voranprescht, auch mal falsch abbiegt und dennoch durch ihr offenes, herzerfrischendes Schauspiel durch den Film führt. Am Ende schaut man mit einem Lächeln den Abspann und fragt sich, warum es überhaupt einen Sherlock braucht, wenn man doch eine kesse, gewitzte Enola Holmes sehen kann. Ich kombiniere: Da kommt bestimmt noch was nach.

Im Kino gab es im Oktober tatsächlich noch fünf (!!!) Werke zu sehen, bevor die Lichtspielhäuser erneut schließen mussten. Alle werden noch in Die k.u.k.-Monarchie besprochen und natürlich hier verlinkt werden. Es kommt also noch ein bisschen was nach. 😉

Dawn of the Dead (1978)… Kritik coming soon

Seberg (2019)… Kritik coming soon

Persischstunden (2020)… Kritik coming soon

Never Rarely Sometimes Always (2020)… Kritik coming soon

Kajillionaire (2020)… Kritik coming soon

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23 Antworten zu Kurz und knackig: Die Flimmerkiste Oktober 2020

  1. Wortman schreibt:

    Bei einem zweiten Enola – Film wäre ich auch nicht abgeneigt. Vielleicht ein bisschen weniger 4. Wand.
    Watchmen ist so etwas von geil… Ich liebe den Film.

  2. Filmschrott schreibt:

    „… weshalb Watchmen (jetzt erst recht!) noch immer eine der besten und intelligentesten Comicverfilmungen darstellt …“

    Ja, sie stellt aber eben auch eine der größten Copy & Paste Adaptionen dar, wodurch das jetzt gar nicht mal so eine großartige Leistung ist, wenn man mich fragt. Vor allem, wenn man bedenkt, dass von Snyder, wenn er eben nicht schlicht copy/pasted, eigentlich nur gequirlte Scheiße kommt. Aber der hier ist natürlich trotzdem klasse.

    • Stepnwolf schreibt:

      Besser sehr gut copypasted statt schlecht selbst umgesetzt (looking at you Batman vs. Superman)…

      • Filmschrott schreibt:

        Selbst umsetzen kann er ja auch nichts. Ist ja exakt mein Punkt.

        Die ganze DCU-Kiste ist ja ohnehin meine persönliche Filmhölle. Snyders Style-over-Substance-Bildfiltergewichse UND Whedons Dialoge der Gehörgangsgrausamkeiten in Kombination. Schlimmer kann es eigentlich gar nicht mehr werden.

        • Stepnwolf schreibt:

          Ach, jetzt hack doch nicht so auf dem armen Zac Snyder rum. 😉 Ich finde seine Filme (fernab vom DCEU) immerhin geht unterhaltsam. Visuell ist das schon immer gut umgesetzt. Und manchmal mag ich ein bisschen Style over substance doch ganz gern. Zum Abschalten…

          • Filmschrott schreibt:

            Doch, ich muss auf dem rumhacken, weil seine Filme alle scheiße sind. Das ist doch meine Berufung hier. Abschalten hilft mir da auch nicht, denn Unterhaltung habe ich in seinem Müll noch nicht gefunden. Naja, vielleicht, wenn Whedon öfter die Dialoge für ihn verschlimmbessert. Die sind dann sowas von Fremdscham, dass ich mir ein resigniert grinsendes Kopfschütteln nicht verkneifen kann. Mehr Unterhaltung kommt da nicht bei rum.

          • Stepnwolf schreibt:

            😀 Dann muss ich mich wohl weiterhin allein mit Snyders Filmen unterhalten…

          • Filmschrott schreibt:

            Da kommt ja bald ein vierstündiger Cut von nem absoluten Grützenfilm, der ohne Ende Grausamkeit aus Snyders Feder verspricht. Dir wird die Unterhaltung also so schnell nicht ausgehen.

          • Stepnwolf schreibt:

            Ist das dieser Superman Supercut? Wäre immerhin ein interessanter Name dafür… 😉

          • Filmschrott schreibt:

            Justice League, wenn ich mich nicht irre. Aber da ist ja Superman auch dabei.

          • Stepnwolf schreibt:

            Ich bin kein Freund von Superman. Und „Justice League“ war auch nur so semioptimal in der bekannten Fassung, soweit ich mich erinnere. Na mal schauen, ob ich mir die neue Version antue…

          • Filmschrott schreibt:

            „semioptimal“ ist schon noch nett ausgedrückt. Wenn du mich fragst, war der komplette Scheiße. Aber Snyder schafft es bestimmt, das nochmal zu unterbieten.

            Ja, Superman ist halt irgendwie … lahm. Er ist zu stark, seine Gegner sind allesamt langweilig (bis auf Luthor vielleicht) und er hat eigentlich keine Schwächen (außer halt Kryptonit, das man aber eben auch nicht jdesmal ausgraben kann). Deshalb sind seine Filme auch immer so langweiliger Quark, weil er nicht mal kämpft, sondern nur ständig irgendwelche namenlosen Kasper rettet, wenn gerade mal wieder ein Zug entgleist oder wasweißich. Hab nie verstanden, warum der Charakter so beliebt ist.

          • Stepnwolf schreibt:

            Zu Superman: Amen! 😉

  3. bullion schreibt:

    Ich mochte „Watchmen“ bei meiner ersten Sichtung nicht sonderlich gerne. Dennoch steht der Ultimate Cut schon lange ungesehen im Regal und will nachgeholt werden. Auch auf „Anna and the Apocalypse“ habe ich sehr viel Lust. Danke für die Erinnerung!

  4. Herba schreibt:

    Von den Filmen kenne ich nur ‚Enola Holmes‘, aber da stimme ich Dir voll und ganz zu. Der Film macht einfach Spaß!

  5. mwj schreibt:

    Der Ultimate Cut ist wie schon der Untertitel sagt die ultimative Adaption von „Watchmen“.
    https://www.kino.vieraugen.com/dvd/watchmen-ultimate-cut/

    Über den Sinn und das Ende von „I’m Thinking of Ending Things“ kann man hinterher ausgiebig diskutieren, da der Film sehr interpretationsoffen bleibt.
    https://www.kino.vieraugen.com/kino/im-thinking-of-ending-things/

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