Kurz und knackig: Die Flimmerkiste April 2021

Gone with the Wind (1939)

Sehen wir den Tatsachen ins Auge: Auch mit 80 Jahren auf dem Buckel ist dieser Film durchaus ein Meisterwerk und noch immer extrem unterhaltsam. Vivien Leigh liefert hier eine großartige Performance ab, die sie wahrscheinlich nur im gleich folgenden Film noch einmal überbieten konnte. Clark Gable ist, nun ja, halt Clark Gable. Vielleicht ist der letzte Part etwas zu ausufernd langatmig geraten und hätte ein wenig erzählerische Straffung verdient gehabt. Aber das ist definitiv meckern auf hohem Niveau. Vom Winde verweht sollte für jeden Cineasten zum Pflichtprogramm gehören.

A Streetcar named Desire (1951)

Sehnsucht ist hierbei nicht nur die Endhaltestelle der Straßenbahn in Elia Kazans Filmadaption des gleichnamigen Bühnenstücks A Streetcar named Desire, sondern auch das vermittelte Gefühl aller Akteure vor der Kamera. Die Theaterherkunft kann das Werk zu keiner Zeit verheimlichen, spielt es doch zum größten Teil im und um das Wohnhaus der Kowalskis, findet aber auch ein paar abseitige Szenerien, die das beengte Setting aufbrechen. Endstation Sehnsucht lebt von der Dynamik der Figuren und alle glänzen mit ausnahmslos hoher Spielfreude. Für Marlon Brando war es das Sprungbrett zum Weltruhm und das zurecht, denn was er hier abliefert, ist große Schauspielkunst. Aber auch die Damen im Ensemble – Vivien Leigh als sich immer mehr psychisch im Nirgendwo verlierende Schwester von Kim Hunter, deren Stella zwischen Untertanentum und rebelischem Aufruhr schwankt – stehen dem furios aufbrausend agierenden Brando in nichts nach. Ein dialoglastiges Drama, dass ungebremst einem tragischen Ende zusteuert und dabei von Minute zu Minute an Spannung zunimmt.

Maleficent: Mistress of Evil (2019)

Fortsetzungen sind ja immer so eine Sache. Hatte der erste Teil noch die Brisanz zwischen der bösen Maleficent und der guten Aurora zu bieten, aus der sich immerhin eine passable Geschichte schmieden lassen konnte, kommt der zweite Teil nun doch arg weichgespült daher. Angelina Jolie sieht aus wie eine Schaufensterpuppe und agiert auch so unecht. Elle Fanning wird so überzeichnet herzallerliebst dargestellt, dass man jede Sekunde denken muss, sie zerfließt aufgrund des Süßheitsgrads sofort. Die Geschichte ist im Kern Nonsense und die ganze Szenerie selbst für Disney-Märchenfilme so quietschbunt strahlend, dass man vor Schockstarre nicht weggucken kann, auch wenn man es eigentlich will. Immerhin hatte Michelle Pfeiffer als die eigentliche Mistress of Evil sichtlich Spaß an ihrer Rolle, was den Film in summa aber nicht retten kann.

Sound of Metal (2020)

Wir müssen über den Sound in Sound of Metal sprechen, denn der durchzieht auf unkonventionelle Art den Film, weil er sich vorrangig dem Hörvermögen des Protagonisten anpasst. Womit die Audioebene zu einer eigenständigen Figur wird, die zur Charakterisierung von Ruben Stone beiträgt. Und wir müssen über Riz Ahmed sprechen, der diesen Ruben Stone so natürlich und behaftet mit allen menschlichen Ecken und Kanten zum Leben erweckt, dass es mitunter wehtut, ihm bei seinem Schauspiel zuzusehen. Und jetzt müssen wir nicht mehr sprechen, sondern unbedingt sehenden Auges dieses Werk feiern. Die stillen und die lauten Momente. Die gedankenversunkenen und die lärmenden Augenblicke. Als Gesamtpaket.

The Courier (2020)

Ein sehr klassisch inszenierter Agentenfilm, der zuvorderst von der Präsenz seines Hauptdarstellers namens Benedict Cumberbatch zehrt und noch ein wenig von der wahren Geschichte, die hier den Weg auf (digitales) Zelluloid findet. Denn diese beiden Aspekte retten die eher mittelmäßig erzählte Geschichte und sorgen auch für den einen oder anderen Aha-Moment im ansonsten recht durchschaubaren, geradlinigen und dadurch leider wenig spannenden Werk von Dominic Cooke.

Zack Snyder‘s Justice League (2021)

Das ist die Justice League Version, die man gesehen haben sollte! Mehr muss ich gar nicht sagen. Na gut, etwas mehr vielleicht doch: Endlich stehen die erst in diesem Film eingeführten Helden nicht mehr so luftleer im Raum rum, sondern erhalten die nötige Backgroundstory, um das folgende Handeln plausibel nachzuvollziehen. Endlich wird Steppenwolfs Art des Agierens um einiges sinnvoller (wenngleich die Figur selbst noch immer recht schwach gezeichnet ist). Dafür bedarf es dann zwar eines vierstündigen Werkes, das einem aber aufgrund der stringenten, auf Tempo getrimmten Erzählung trotzdem viel kürzer vorkommt als diese – nennen wir es ab jetzt einfach so – falsche Justice League Version. Chapeau Zack Snyder! So geht Bombastkino in Zeiten ohne Kino.

Ab diesem Jahr gibt es hier eine kleine Neuerung, denn ich werde fernab von den gesehenen Filmen des Monats auch immer die im Monat abgeschlossenen Serienstaffeln aufführen. Nicht immer mit großen Worten. Aber aus statistischen Zwecken. Geht also los.

>> Staffelfinale <<

  • Gilmore Girls: A year in the life (Miniserie) >> beendet

Im Kern ein einziges Schaulaufen aller jemals irgendwann in der Serie aufgetretenen Personen und somit Fanservice am obersten Limit. Leider kann die Geschichte selbst da nicht so recht mithalten, weil zu erzwungen wirkend. Und das Ende? C’mon…?

  • Beforeigners (Staffel 1)

Für mich einen Tick zu viel Krimigeschichte und zu wenig Zeitreisen-Handlung. Aber die Idee und die Zutaten stimmen. Auch wenn mir der männliche Protagonist zu klischeehaft gezeichnet ist, reißt es Krista Kosonen als Wikingerpolizistin doch wieder raus.

  • Doom Patrol (Staffel 1)

Lässt sich zäh an, bietet dann aber neben den typischen Charakteretablierungsfolgen ein paar extrem weirde erzählerische als auch visuelle Ideen. Und mit Diane Guerrero alias Crazy Jane einen – für mich – neuen Crush. Echt crazy die Dame! 😉

  • Cobra Kai (Staffel 2)

Okay. Ja. Da sind die Drehbuchautoren mitunter nicht besonders einfallsreich und bauen recht stereotype Handlungsstränge ein. Aber als Karate Kid Nostalgiker, der ich nun mal bin, lässt sich die Serie gut und gern als Guilty Pleasure konsumieren.

  • Mayans MC (Staffel 2)

Alright. Bin wieder drin im Motorradgang-Milieu. Kurt Sutter weiß, wie er einen kriegt. Staffel 2 lebt vor allem von den sich immer mehr verstrickenden Beziehungen zwischen den beiden Reyes Brüdern und der Galindo Familie und hat mit Ray McKinnon als Lincoln Potter einen zwischen allen Stühlen agierenden Unsicherheitsfaktor. Sehr empfehlenswert, insbesondere für alle Sons of Anarchy Fans.

  • Orphan Black (Staffel 3)

Die Sestras funktionieren immer noch blendend. Die Geschichte allerdings verzettelt sich an manchen Stellen doch arg und driftet ins unglaubwürdige ab. Aber so lange es immer wieder mal die Verwechslungkomödien zitierenden Folgen gibt, kann man der Serie den Unterhaltungsfaktor nicht absprechen.

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20 Antworten zu Kurz und knackig: Die Flimmerkiste April 2021

  1. eccehomo42 schreibt:

    Beim Vivien Leigh Double stimme ich uneingeschränkt zu. Bei Sound of Metal eigentlich auch^^

  2. Wortman schreibt:

    Doom Patrol habe ich auch noch einmal neu angefangen. Bin aber noch mitten in der 1. Staffel.

  3. Nummer Neun schreibt:

    Bei Beforeigners hatte ich auch den Eindruck, dass sie das Potential des Settings nicht ausschöpfen – grade die Krimihandlung blieb etwas blass.

    Bei Orphan Black bin ich nach der vierten Staffel ausgestiegen, das Finale ist für mich also seit Jahren offen.

    Von den Filmen habe ich nicht einen einzigen bisher gesehen…

  4. Nicole Kirchdorfer schreibt:

    Hola…da weiß ich gar nicht wo ich anfangen soll….ich lebe unglaublich aber wahr, seit 3 Monaten ohne Fernseher….hin und wieder lasse ich mich mit LiveStream mitreißen, aber ansonsten….wenn ich ehrlich bin, ist das sehr entspannend….

    • Stepnwolf schreibt:

      Bei mir ist es so, dass ich zwar nicht vom Entfliehen in fiktive, visuelle Geschichten wegkomme, sich aber mein Fokus weg von Filmen, hin zu Serien gerichtet hat. Filme reizen mich momentan weniger.

      Vielleicht kommt das aber wieder, wenn man endlich wieder ins Kino gehen kann…

  5. Herba schreibt:

    Gibts ‚The Courier‘ schon als Stream?

  6. Miss Booleana schreibt:

    Yassss, freut mich, dass dir „Sound of Metal“ genauso wie mir gefallen hat. Auch zu „Orphan Black“ ab der dritten Staffel hatte ich ähnliche Gefühle.
    Die Filmklassiker da oben stehen auch noch auf meiner Liste, obwohl ich ja gestehen muss, dass ich auf „Vom Winde verweht“ irgendwie so gaaar keine Lust habe.

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