The Twilight Saga: Von Vampiren und Werwölfen…

Und es begab sich am ersten Maiwochenende, dass sich der Stepnwolf der Selbstgeißelung ergab und die gesehene Filmografie einer ganz bestimmten Schauspielerin komplettieren wollte, weshalb er ihr zumeist als Referenz ihrer schauspielerischen Leistung herhaltendes, bekanntestes Werk verkonsumierte. Blöd nur, dass ihr bekanntestes Werk eine fünfteilige Saga ist, die trotz des Titels irgendwie nie im Zwielicht spielt. Auch blöd, dass für die Sichtung aller fünf Teile nur eine Flasche Wein zur Verfügung stand. Der Mai startete demnach mit einem Martyrium sondergleichen…

Prolog:

Netflix an. Weinflasche auf. Part I herausgesucht. Einmal kurz geprostet und dabei Stoßgebete an wen oder was auch immer gesendet und dann wagemutig auf Play gedrückt. Das Werk beginnt.

Part I – oder Der Versuch von Coming of Age

Die Grundstruktur ist klassisches Coming of Age, gemixt mit Highschool-Drama und ganz viel Liebe. Man nehme ein Teenagergirl – nennen wir sie einfach mal Bella – verfrachte sie an eine neue Schule in einem Kaff am Ende der USA, auf der sie sich erst einmal dem vorhandenen sozialen Gefüge anpassen muss, lasse einen Loveinterest (in Slowmotion) auf der Bildfläche erscheinen – ich nenne ihn spontan Edward – und schaue dem sich entwickelnden Geschichtchen beim Wachsen und Gedeihen zu. Und dafür haben wir genügend Zeit, denn wenn die Kamera mal nicht in Zeitlupe am Gesicht von Bella klebt, die schmachtenden Blickes Richtung kreidebleichem, spindeldürren Edward schielt, passiert nichts weltbewegendes. Keinerlei Konflikt. Keine Hindernisse. Nur wattebauschige Wohlfühlmomente unterlegt mit säuselndem Score von Carter Burwell. Man sieht, wohin der Hase läuft. Doch dann – oh Schreck! – kommt der große Twist! Die Fantasie – nein, Quatsch – die Fantasy hält Einzug. In Form von blutrünstigen Wesen der übelsten Sorte: veganen Vampiren. Großer Tobak! Kann ich euch sagen. Darauf ein Schluck Wein. 

Gut, Bella ist anscheinend vampirgestählt, denn sie beeindruckt dieses (mies animierte) schnelle Herumgerenne und in Bäume klettern von Edward gar nicht und falls doch, lässt sie sich nichts anmerken. Also ähnlich dem Film, der auch nichts anmerken will. Geschweige denn erzählen. So plätschert dieser Auftaktteil so dahin, zeigt hie und da eine wilde Landschaft (in immerhin schönen Bildern) und wechselt dann schnell wieder zu langsamen, vor sich hinvegetierenden Szenen. Ähnlich veganen Vampiren, die aufgrund des Nahrungsdefizites anscheinend selbst im krassesten Sonnenschein (Ja, das geht!) keine Bräunung erhalten. Aber immerhin glitzern sie so schön in der Sonne, gell Bella?

Erste Erkenntnisse: 

  • Bella Swan wird von ihrem Polizeidaddy immer nur Belle gerufen. Ein Schelm, der dabei nicht an Disney denkt, denn das Eddy-Biest ist ja nie weit. 
  • Die visuelle Inszenierung ist tatsächlich ansprechend (klammern wir die vampirischen Joggingeinlagen mal aus).
  • Kristen Stewarts Mimik ist entgegen aller Behauptungen durchaus variabel. Da die Figuren aber so klischeehaft stereotyp umgesetzt sind, lässt sich da beim besten Willen nicht mehr rausholen.
  • Taylor Lautner ist definitiv die viel bessere Partie für unseren schönen Schwan, aber bekanntlich fressen… aaah, nein. Spoiler Alert!

Note: 5 von 10 glitzernden Vampiren

Part II – oder Auf in die zweite, gleiche Runde

… ja Wölfe Schwäne. Unter anderem. Und der gute Jacob Black ist einer. Also ein Wolf. Um nicht zu sagen ein Werwolf. Komischerweise kein schwarz befellter, wäre doch bei diesem Namen mehr als naheliegend. Teil Zwei lässt das Vampirbiest zuerst einmal verschwinden (Robert Pattinson ist auf Wanderschaft) und so muss ein anderes Fantasywesen herhalten. Immerhin wäre der wölfische Freund für Bella a Leckerli, weshalb der dies in seiner menschlichen Gestalt auch ausgiebig mit oben ohne Aktionen goutiert. Da läuft nicht nur dem Wolf das Wasser im Mund zusammen, sondern auch dem (mit Sicherheit vorwiegend) weiblichen Fanpublikum. Nur eben Bella nicht. Die gibt sich ihren sehnsüchtigen Tagträumen nach der verlorenen (glitzernden) Liebe hin. Das ist im übrigen auch schon die ganze Story der Fortsetzung. Halt, nein. Da taucht ja noch so ein Vampirorden auf, der den Schwan rupfen will, weil dieser anscheinend besondere Immunität gegen jegliche vampirische Superkräfte besitzt. Der Oberguru dieses Ordens sieht zwar nicht aus wie Michael Sheen, ist es aber trotzdem. Mehr Spannung ist nicht zu erwarten.

Zweite Erkenntnisse:

  • Anna Kendrick ist schon a Leckerli.
  • Auch Alexandre Desplat kann aus den säuselnden Streichern nicht mehr herausholen, der Score ist und bleibt ein einziges melodramatisch überhöhtes Desaster.
  • Hübsche Blumenwiese. 

Note: 2 von 10 Werwölfe mit muskelbepackten Oberkörpern

Part III – oder Uuuuuund, Action!

Faszinierend! Das Mittelstück der Trilogie in fünf Bänden (oder so) bietet endlich mal etwas Drive. Konflikte, ick hör dir trapsen. Zum einen ist da der Lovebeef (nicht im Sinne von Fleisch, das für Werwölfe bestimmt ist) zwischen Edward ‚The Glitter‘ Cullen und Jacob ‚Who let the wolves out?‘ Black. Zum anderen ist da die Rachegeschichte von Victoria (hier: nasty Bryce Dallas Howard, im Teil zuvor: bitchy Rachelle Lefèvre), deren Ziel es ist – oh, Wunder – Bella zu töten, was sie aber – entgegen ihres Namens – nicht siegreich umsetzen kann. Und dann kämpft auch noch Bella mit Edward um die gemeinsame, hochzeitliche Zukunft, allen Hürden verschiedenster Seiten zum Trotz. Ihr seht: Konflikte, Hindernisse, Action und nicht zu vergessen eine leere Weinflasche, denn die war nach dem schwachen zweiten Teil bereits vollständig geleert. Wie soll ich da das große (natürlich zweiteilige) Finale nur überleben? Gar nicht, so wie vielleicht die gute Ms. Swan? Wir werden sehen. Leider…

Dritte Erkenntnisse:

  • Nette Actionsequenzen und die Wölfe sind wirklich gut animiert.
  • Howard Shore hat die Musik gemacht? Auf jeden Fall diesmal nicht so extrem aufdringlich liebestriefend.
  • Robert Pattinson hat mehr Farbe im Gesicht. Der Aufenthalt im Süden der USA hat anscheinend Wunder gewirkt. 
  • Hübsche Blumenwiese.

Note: 7 von 10 zähnefletschende Werwölfe

Part IV – oder Will you (endlich) marry me?

Oh mein Gott! Was ist denn das bitte? Jetzt muss ich doch noch schnell den Whiskey raus kramen. Kleinen Moment bitte… Obwohl. Passiert ja eh nichts. Überhaupt nichts. Und das eine geschlagene Stunde lang. Ich fasse Teil Vier in wenigen Worten zusammen: Hochzeit, Flitterwochen, endlich Blümchensex (Hübsche Blumenwiese, fällt mir da spontan ein.), schwanger, Erkenntnis, dass wohl auch Menschen beim Kopulieren mit Vampiren empfängnisberechtigt sind, großer Jammer, da körperlich auslaugend (Kristen Stewart sieht hundeelend aus, trotz Wolf an ihrer Seite), Blitzidee. Blutinfusion, Geburt, Tod eines schönen Schwans…

Vierte Erkenntnisse:

  • Carter Burwell ist zurück und lässt die Traumhochzeit musikalisch melodramatisch mäandern. Wie gehabt extrem nervig.
  • Stephenie Meyer wollte wohl unbedingt ihre immer geträumte Mädchenhochzeit visuell umgesetzt sehen, so bonbonbunt, schmalzig-schmonzettig ist selten.
  • Schicke Insel.
  • Der Polizeipapa kann einem aber auch leid tun.

Note: 2 von 10 glamouröse Hochzeitsglocken

Part V – oder Marvel meets Monster meets Michael

… und Auferstehung desselben als gnadenlose Muttervampirbitch. Bella ist endlich das, was sie immer sein wollte: unsterblich. Unsterblich und verliebt bis(s) über beide Ohren in Edward. Nix mit ‚bis das der Tod sie scheidet‘. Oder vielleicht doch? Immerhin hat der Oberguru des Vampirordens (ihr erinnert euch: Michael Sheen) Angst vor diesem Neugeborenen (halb Mensch, halb Kö…, falsch, Vampir), da es da bestimmt irgendsoeine Prophezeiung von der Einen gibt (Muss so, geht nicht anders.). Darum: Großer Schlachten-Showdown (auf der Blumenwiese) mit ganz vielen Vampiren, die unterschiedliche Superkräfte haben und noch mehr bissigen Werwölfen, die nun gemeinsame Sache mit dem Cullen-Clan machen, weil Jacob irgendwie auf Bellas Baby Esme geprintet ist (Muss so, geht nicht anders.). Es kämpfen sozusagen die Twilight-Avengers gegen den bösen Thanos, äääh Aro und seine Schergen. Großes Gemetzel mit Megatwist am Ende, denn wir sind hier ja in einem Märchen. Es geht also nur ein Happy End. Darunter machen wir’s nicht! Darauf einen Schluck Whiskey. Slainte! 

Fünfte Erkenntnisse:

  • Die Actionszenen funktionieren wirklich gut und sehen schick aus.
  • Ist das da Rami Malek?
  • Alice ist halt doch die coolste Cullen.
  • Wo ist eigentlich Anna Kendrick abgeblieben?

Note: 5 von 10 vampirische Superkräfte

Epilog:

Wein leer. Whiskey leer. Geschichte leer. Nein hohl. Hicks.

Aber: Die Twilight-Saga hat so ihre Momente. Insbesondere die Actionszenen und die visuelle Umsetzung ist erwähnenswert. Natürlich handelt es sich hierbei um eine Teenagerroman-Verfilmung. Wir treffen daher auf alle zu erwartenden stereotypischen Charaktere, die hier halt in diesem Fall nur in das Fantasysetting, das bei so ziemlich allen bereits bekannten Sujets kopiert, eingebettet ist. Sowohl Kristen Stewart als auch Robert Pattinson lassen ganz kurz mal ihr eigentliches schauspielerisches Talent aufblitzen (oder glitzern?), ihre Figuren sind aber leider so naiv geschrieben, dass ein Freispielen gar nicht möglich (und für die Geschichte auch gar nicht gewünscht) ist. Ähnlich eng in ein Korsett gesteckt agieren die diversen, mal mehr, mal weniger interessanten anderen Figuren. Ein Entkommen aus der vorhersehbaren, häufig extrem schmachtend-schmalzigen Geschichte ist unmöglich. Aber wir – wir können ja jetzt einfach Netflix ausstellen und entkommen. Glück gehabt.

Endnote der Twilight-Saga: 21 von 50 zeitraubende Zeitlupen-Einstellungen

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28 Antworten zu The Twilight Saga: Von Vampiren und Werwölfen…

  1. Wortman schreibt:

    Da muss man ja ein Like geben, wenn sich da einer freiwillig diese Glitzervampis antut 😆

  2. Herba schreibt:

    Danke, dass Du dich geopfert und meine Meinung bestätigt hast, dass ich das nicht kucken muss 😎

  3. Nummer Neun schreibt:

    Du hast alle Filme in einem Rutsch weggesehen? Wow, Respekt – das ist Einsatz!

    Und ich gebe zu, für den ersten Teil saß ich sogar im Kino ohne zu wissen, was mich da erwarten würde. Es dämmerte mir erst, als irgendwelche Teenager-Mädchen in den Reihen hinter uns laut aufstöhnten, weil Edward das erste Mal glitzernd und in Zeitlupe auf der großen Leinwand erschien.

  4. Anica schreibt:

    Ein sehr unterhaltsamer Beitrag zu einer wenig unterhaltsamen (oder wegen der fehlenden Qualität und Klischees etc. besonders unterhaltsamen?) Filmreihe. 😉

  5. blaupause7 schreibt:

    Ich bin begeistert. Von dieser Eindrucksbeschreibung – nicht von den Filmen – da bin ich schon beim ersten weggeschnarcht.

  6. thursdaynext schreibt:

    Für die großen Vampirfans gibt es dann True Blood, so hölzern wie der Lover Held war nichtmal Robert Pattinson. Aaaber ein geniales Intro … danke für die Zusammenfassung, musste sehr lachen

  7. bullion schreibt:

    Das ist doch mal ein Mammutwerk von einem Artikel. Respekt fürs Durchhalten! Wow.
    Dass es davon 5 Teile gab, war mir gar nicht bewusst. Hatte immer nur 3 im Kopf. Aber anscheinend gab es ja auch ein paar Highlights. Deine Erkenntnisse reichen mir aber wohl… 😉

  8. Allein für diesen Artikel hat sich die Sichtung doch schon gelohnt. Scheint so, als hättest du eine… ähm… tolle Zeit auf der Blumenwiese gehabt. 😅 Ich kann inzwischen nicht mal mehr sagen, ob ich die ersten zwei oder drei Filme gesehen habe. Scheint aber nicht so, als hätte ich bei den restlichen viel verpasst. Außer Kristen Stewart natürlich. Aber die hat ja zum Glück noch deutlich bessere Filme gemacht. 😉

    • Stepnwolf schreibt:

      Da können wir froh sein, dass Ms. Stewart deutlich bessere Filme gemacht hat.

      Ja, bei mir verschwimmen die Filme auch schon wieder in ein fluffig-buntes Ganzes mit gaaaaanz wenig Inhalt. Aber die hübsche Blumenwiese bleibt in Erinnerung. 😀

  9. mwj schreibt:

    Wow, Respekt! Alle Filme am Stück weggeguckt und das mit nur einer Flasche Wein! Ich wäre übrigens nach einer Flasche Wein so blau, dass ich ab Film Nummer drei nur lachend in der Ecke liegen würde.
    Hat es wenigstens die ganze Sichtung über durchgehend geregnet? 😉

  10. Gnislew schreibt:

    Der finale Twist ist so großer Blödsinn! Da hat selbst meine Frau die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen. Und jetzt kannst du es zugeben. Pro Film gab es 2 Punkte Stewart-Bonus, oder?

  11. Miss Booleana schreibt:

    Aaaah, sehr unterhaltsam 😀 Für diesen Aufopferung muss man einfach mal abblaudieren, was ich hiermit in Form eines Kommentars tue. Es ist schon erstaunlich, was sich da alles für bekannte Gesichter verstecken, deren Potential absolut verschenkt wurde XD Anna Kendrick, Michael Sheen, Rami Malek … au weia. ^^ Das wusste ich zumindest noch, aber wer da alles für die Filmmusik engagiert wurde. Wow. Und irgendwie … traurig …

    Aber hey … nur so nebenbei … ich bin mal auf Letterboxd über jemanden gestolpert, der*die ein Jahr lang jeden Tag den ersten Twilight-Film geschaut hat. Ich weiß nicht genau, wofür sich diese*r Filmfan*in da selbst geißeln wollte … aber es war sicherlich eine Form der, äh, Rückbesinnung.

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