#Japanuary2022: So far…

Ich habe es getan! Nachdem ich seit mehreren Jahren immer ’nur‘ passiv Beteiligter war, hat es mich dieses Jahr kalligraphisch gekitzelt. Oder so ähnlich. Jedenfalls ist der Januar durch eine aufgehende Sonne bestimmt. Filmisch, seriell und sogar literarisch widmet sich meine Wenigkeit Japan. Im schon traditionellen #Japanuary.

Nun ist der Monat bereits zur Hälfte vorbei. Was ist mir denn bisher an japanischen Werken untergekommen? Ihr erfahrt es sogleich…

HK 変態仮面 – Hentai Kamen (2013)

Ein Superheld mit Unterwäsche auf dem Kopf. So funktioniert japanischer Humor. Hentai Kamen schwitzt Trash aus jeder Pore, bedient solch Klischees wie die schmutzig-sexistische Schulmädchen in Uniform Fantasie, macht aufgrund der absurden Idee an sich und der mit liebevoller Ehrlichkeit inszenierten Umsetzung aber viel Spaß. Und bietet mit Ryohei Suzuki als titelgebenden Helden einen spielfreudigen Protagonisten, der durch diverse Sidekicks, Love Interests und Antagonisten – eine verrückter als der andere – unterstützt wird. Dass die Geschichte an vielen Stellen die marvelschen Spider-Man Filme zitiert, sei hier nur noch am Rande erwähnt, ist aber nicht zu übersehen.

>> 3 von 5 aufgehende Sonnen <<

HK 変態仮面 アブノーマル・クライシス – Hentai Kamen 2: Abnormal Crisis (2016)

Wie kann man einen bereits trashig überbordenden ersten Teil noch toppen? Mit größer, bunter, greller! Und mit so unglaublich übertriebenen Einfällen (ein Doc Ock Pendant, der die Unterwäsche ganz Japans aufsaugt, um so Hentai Kamen seine Superkräfte zu rauben), dass man entweder ständig herzhaft lachen muss oder sich kopfschüttelnd vom Bildschirm abwendet. Teil 2 geht All-In. Mit Actionszenen en masse und einem Superhelden, dem aus einem großen Wäscheberg eine große Wäsche erwächst. Oder wie ging der Spruch nochmal?

>> 3 von 5 aufgehende Sonnen <<

Akira (1988)

Eine faszinierend gezeichnete (in doppeldeutiger Weise) Welt mit wunderbar echten Charakteren, eingebettet in eine sich stetig gen überragendem Finale entgegenstrebender Geschichte, verfeinert mit einer eleganten Erzählstruktur, die nach und nach etabliert wird und dabei immer tiefer in die Straßenschluchten der Stadt und die gedanklichen Gräben der Protagonisten eindringt. Mit viel Pathos und Philosophie über Mensch und Übermensch und die Verantwortung für jeden – unabhängig vom Status und der vorhandenen Macht. Und nicht zuletzt die Geschichte der Emanzipation der Hauptfigur. Akira ist genau das, was immer alle sagen: ein Animeklassiker und ein Meisterwerk.

>> 5 von 5 aufgehende Sonnen <<

嫌われ松子の一生 – Memories of Matsuko (2006)

Die erste halbe Stunde verlangt vom Zuschauer so einiges. Denn Memories of Matsuko kommt mit ständig wechselnden Szenerien daher, die alle in einem Farbengewitter aufgehen. Spielt mit unentwegt die Position wechselnden Kameraeinstellungen, unscharfen Bildern und schnellen Schnitten, während der anfängliche Erzähler – und männliche Protagonist – unablässig plappert. Das ist zuerst einmal gewöhnungsbedürftig und ein Stück weit anstrengend. Wer diese Phase übersteht, erhält danach eine tragikomische Lebensgeschichte der Frau namens Matsuko, die den Zuschauer immer mehr hineinzieht. Die Faszination dieser in gewisser Weise melodiös erzählten, äußerst melancholisch voranschreitenden Story speist sich neben der visuellen und musikalischen Umsetzung vor allem aus dem überragenden Schauspiel von Miki Nakatani, die einem das Innenleben Matsukos so schmerzhaft nahe bringt, dass es mitunter weh tut, einfach weiter zuzuschauen. Die japanische Matsuko ist die dunkle Seite der französischen Amelie, aber nicht weniger sehenswert.

>> 4 von 5 aufgehende Sonnen <<

Neben diesen filmischen Perlen, schaue ich gerade die japanische Serie Das Haus am Hang. Nach drei von sechs Folgen lässt sich zumindest eines schon festhalten: die japanische Gesellschaft ist auch heute noch durch nicht immer besonders positive traditionell-patriarchalische Gesellschaftsmodelle bestimmt, die es der Frau in dieser Welt trotz unablässiger Bemühungen extrem schwer macht und dadurch zu Aktionen und auch Taten animiert, die unerwartet scheinen. Die Serie erzeugt nicht selten ein ungläubiges Kopfschütteln. Man will gefühlt alle fünf Minuten irgendeiner Figur zuschreien ‚Was zum Teufel machst du da?‘. Sehr intensiv. Sehr fordernd. Bisher aber auch sehr spannend. Mal sehen, wie die Macher die Geschichte zu einem plausiblen Ende führen (werden).

Und dann liegt da noch ein Murakami rum. Nein, nicht höchstpersönlich. Lediglich als Buch. Die Wahl fiel auf Hard-Boiled Wonderland and the End of the World. Genau vierhundert Seiten dick. Bin aber noch recht weit am Anfang und kann daher noch nicht so viel zur Qualität des Werkes sagen. Eines lässt sich aber schon festhalten: Man wird (wie eigentlich immer bei Herrn Murakami) sofort in die aufgebaute(n) Welt(en) hineingesogen. Wo genau uns das hinführt, ist aber noch lesend zu erkunden.

Und jetzt entschuldigt mich. Die Sonne geht auf. Der #Japanuary2022 verlangt erneut meine Aufmerksamkeit…

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5 Antworten zu #Japanuary2022: So far…

  1. Wortman schreibt:

    Akira ist natürlich Kult.

  2. Miss Booleana schreibt:

    Yay, cool. Freut mich, dass dir Akira und Matsuko auch so gut gefallen haben. Hard-Boiled Wonderland and the End of the World. ist ja tatsächlich mein Lieblings-Murakami … auch da bin ich schon gespannt wie du den findest. Wobei ich sagen muss, dass ich die Teile aus der einen Welt lieber gelesen habe als aus der anderen.

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