Das Lied zum Sonntag 6/2020

Werte Gemeinde,

Ja sagen, aber Nein meinen. A rufen, aber B flüstern. Manchmal ist es schwer eine Meinung zu haben und ein anderes Mal gibt es nur eine Meinung. Während also der Ja-Sager, B-Flüsterer und sich schwer eine Meinung bildende erste Politiker ein thüringisches Komödienstadl aufführt, jubiliert der zweite, dessen eigene Meinung einzig und allein und immer zählt und daher auch meinungslos vom gesamten amerikanischen, republikanischen Rest akzeptiert wird.

Egal, ob US- oder Ministerpräsident. Ein derartiger Posten ist keine Garantie für vorbildliches Verhalten oder vorbehaltlose Bildung. Oder – Gott bewahre! – am Ende sogar beides! Wenn die Politik mal wieder Kapriolen schlägt, wünscht man sich durchaus für einen kurzen Moment doch eher

Utopie statt Demokratie.

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#52FilmsByWomen: (64) The Farewell – Lulu Wang

Titel: 別告訴她 – The Farewell
Regie: Lulu Wang
Produktionsland: USA
Jahr: 2019

Diese Geschichte basiert auf wahren Lügen.

Bereits der Auftakt macht die besondere Beziehung zwischen Enkelin Billi und Großmutter Nai Nai klar. Man spürt die Vertrautheit, die gegenseitige Zuneigung und das aufmerksame Zuhören, wenn die Person gegenüber spricht. Und das trotz der großen räumlichen Entfernung, die zwischen beiden Hauptfiguren besteht. Das  ein sofortiges Wohlgefühl aufkommt, ist vor allem den beiden Akteuren zu verdanken. Awkwafina verkörpert die offene, emanzipierte, dem Leben zugewandte und mit einer eigenen Meinung ausgestattete Billi zu Beginn recht kompromisslos, wird nach und nach aber von den traditionell geprägten Intentionen der restlichen Familie vereinnahmt und fügt sich dem Schicksal, das aufgebaute Lügenkonstrukt aufrecht zu erhalten. An ihrer Seite findet sich eine rigorose, dominante, forsche und trotz des Alters stets hellwache Nai Nai, fabelhaft interpretiert und zum Leben erweckt von Shuzhen Zhao. Es ist kaum vorstellbar, dass zwischen diesen beiden etwas Unausgesprochenes, Verheimlichtes oder Unwahres vorhanden sein könnte. Dennoch ist es so!

Damit sind sie aber mitnichten die einzigen in diesem spielfreudigen Ensemble, in dem jeder auf seine Art ein kleines oder auch größeres Geheimnis mit sich herumschleppt. Viele davon werden auch am Ende den Weg ins Licht der Wahrheit nicht finden. Die Gespräche, von denen im Verlauf der knapp hundert Filmminuten einige durchaus intensive und mitunter auch aggressive zu bewundern sind, suggerieren allerdings unumwunden, dass so ziemlich jeder über die jeweils andere wahre Lüge Bescheid weiß. Die Dialoge fördern diese aber einfach nicht zu Tage. Umso mehr wirken daher die mimischen und gestischen Äußerungen und Aktionen. Ein Blick vermittelt in The Farewell tatsächlich mehr als tausend Worte. Auch wenn die hier sicher zusammenkommen, denn geredet (und gegessen) wird ständig. Ohne jedoch wirklich etwas zu sagen. Ohne wirklich etwas sagen zu können oder zu wollen. Das kann frustrieren und entlädt sich dann in, für die nicht Eingeweihten, kurios anmutende, emotionale Ausbrüche oder provoziert spontan ein Schmunzeln beim Zuschauer, ob der Doppeldeutigkeit des gerade Gezeigten.

Lulu Wang führt ihre Protagonisten durch dieses Netz an Lügen (und lässt den Zuschauer zwischenzeitlich kopfschüttelnd stehen), balanciert dabei stellenweise auf einem dünnen Drahtseil zwischen Herzschmerz-Dramatik und persiflierender Komik (die den Zuschauer wieder auf den Boden der Tatsachen – bestückt mit einem Lügenteppich – zurückholt), tariert aber nahezu fehlerfrei immer wieder die Wohlfühlmitte aus. Weshalb dem geneigten Zuschauer am Ende zwar bewusst wird, dass The Farewell weder eine Katharsis, noch eine Befreiung von all den Lügen bietet, sondern im Kern nur den unbedingten Wunsch danach aufzeigt, ohne diesen jemals wahrhaftig in die Tat umzusetzen. Man aber dennoch mit einem zufriedenen Lächeln und nicht fern vom erlösenden Schrei Billis das Ende und die gesamte wahre Lügengeschichte zu würdigen weiß.

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Kurz und knackig: Die Flimmerkiste Januar 2020

The Fall (2006)

Die Macht der Fantasie bestimmt dieses bildgewaltige Werk von Tarsem Singh. Denn die junge Protagonistin (unbekümmert natürlich von Schauspieldebütantin Catinca Untaru dargestellt) nutzt ihre einfallsreichen, bunten Gedanken, um die von Lee Pace in Selbstmitleid getränkte Hauptfigur und dessen Geschichte in Bilder umzusetzen. Diese Bilder sind es auch, die am Werk besonders faszinierend sind. Bonbonbunte, durcheinander gewürfelte Szenerien entstehen und lassen den Zuschauer an der visuellen Pracht kleben. Leider übertüncht die Optik den Kern der eigentlichen Geschichte, so dass die Moral zwar erkennbar, aber nicht primär als wichtig angesehen wird.

Melancholia (2011)

Ein Dauerbrenner, den es sich immer wieder lohnt anzuschauen und der an dieser Stelle bereits kurz etwas schwelgerisch betrachtet wurde.

Ida (2013)

Pawel Pawlikowski macht in seinem Werk keine erzählerischen Kompromisse. Jede Szene ist kurz und intensiv und vor allem wichtig für die Handlung. Leerlauf fällt dem Schneidetisch zum Opfer. Dadurch schafft der Regisseur eine direkte und permanente Konzentration auf die Hauptfigur, die von Agata Trzebuchowska zurückhaltend leise interpretiert wird. Neben der historische (polnische) Aspekte aufarbeitenden Erzählung erstrahlen die Szenerien in einer Schwarz-Weiß-Optik, die visuelle Glanzlichter setzen kann, auch weil die Settings perfekt durchkomponiert fotografisch eingefangen werden. Wo der obige The Fall vorrangig mit Farbenpracht aufwartet, erschafft Ida allein mit diesen dezenten, dunklen Grautönen opulente Bilder und unterstützt dadurch gleichzeitig die relevante, von den Bildern eingerahmte (aber nicht überlagerte) Geschichte.

Happy Deathday (2017)

Zeitschleifen-Filme können bei intelligenter Vorgehensweise eine Menge Spaß machen, was Klassiker des Genres wie Groundhog Day bewiesen haben. Happy Deathday kommt zwar an diesen Film nicht heran, bietet aber dennoch einige amüsante und imposante Einfälle, die es erlauben, der Hauptfigur Tree und deren wiederholte Versuche, ihren eigenen Mord zu verhindern, mit unterhaltsamen Auge zu folgen. Dafür zeichnet sich vor allem die spielfreudig agierende Jessica Rothe aus, die mit stetiger kriminalistischer Finesse der Lösung ein Stück weit näher kommt, aber durch kleine, plausible Twists ständig in ihren Bestrebungen aufgehalten wird. Happy Deathday ist kurzweilig und durchaus die investierten anderthalb Stunden wert.

Shazam! (2019)

Was hat uns DC da doch für einen wunderbaren kleinen unterhaltsamen Film geliefert, dessen einzige vorrangige Prämisse darin besteht, den Zuschauer in dieses von Anfang bis Ende vergnügliche Abenteuer zu entführen. Shazam! gelingt es durch die Interaktion der Figuren eine Coming-of-Age Geschichte unter dem Deckmantel des Superheldenfilms  zu kredenzen. Eines Superhelden (sehr präsent und mit viel Elan von Zachary Levi dargestellt), der etwas ungelenk und unbeholfen erscheint, mit seiner Bestimmung hadert und schlussendlich trotzdem zu sich selbst findet, um die Welt zu retten. Eine klassische (Comicfiguren-)Erzählstruktur, die hier allerdings häufig mit einem zwinkernden Auge persifliert wird, was dem Film ungemein gut tut. So kann Popcorn-Comicverfilmung-Blockbuster-Kino dann eben auch gehen. Chapeau DC! Alles richtig gemacht.

Im Kino gab es im Januar vier Werke zu bestaunen, die ich unter anderem in meiner Rubrik Die k.u.k.-Monarchie näher beleuchtet habe. Daher bitte für nähere Informationen auf den jeweiligen Filmtitel klicken.

Marriage Story (2019)

1917 (2019)

Weathering with you (2019)

The Farewell (2019)

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Media Monday #449

Willkommen im Montag. Willkommen beim Media Monday. Willkommen im Glück.

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1. Wenn in knapp einer Woche wieder die Oscar-Verleihung stattfindet, werde ich bis auf zwei nominierte Filme alle diesjährigen Kandidaten, darunter zum Beispiel Werke wie Marriage Story und 1917 vorweg gesehen haben. Das ist mir in den zurückliegenden Jahren eigentlich nie so allumfänglich gelungen.  

2. Ungebrochen begeistert bin ich nach all der Zeit noch immer von Natalie Portman. Ach, c’mon! Ihr wusstet, dass das jetzt kommen würde… oder? 😀

Nat

3. Kristen Stewart erfährt/erfahren meines Erachtens viel zu wenig Aufmerksamkeit für ihre bisherige Schauspielkunst. Was leider mit der allseits bekannten (und schrecklicherweise auch beliebten) Twilight-Saga zusammenhängt, die der werten Dame noch immer wie ein Kaugummi am Schuh klebt. Dabei hat Ms. Stewart in Filmen wie SpeakThe Runaways oder auch The Cake Eaters längst bewiesen, was sie tatsächlich drauf hat. 

4. Tatsächlich hat mich Film/Buch/Serie/etc. einst dazu inspiriert diesen Satzanfang als inkorrekt anzusehen, weshalb ich inspirationslos zum nächsten Punkt übergehen muss.

5. Ansonsten schätze ich es immer sehr, wenn die Menschen einander zu schätzen wissen. Für das was sie sind, waren und sein werden. 

6. Nicht unbedingt optisch, aber dramaturgisch/inhaltlich ziemlich schlecht gealtert ist bestimmt so mancher Film aus den vergangenen Dekaden. Wobei es wahrscheinlich oft auch eher andersrum ist: optisch mau, erzählerisch aber immer noch auf hohem Niveau. Denn schaut man sich demgegenüber heutige Werke an, ist da visuell ein großer Sprung in Richtung Perfektion zu erleben, wobei manch moderner Film dagegen narrativ nicht an alte Klassiker heranreicht. Es scheint so, als ob die Drehbuchautoren der heutigen Zeit keine Visionen mehr haben, was ich aber nicht glauben will. Als hoffnungsloser Optimist, der ich bin…

7. Zuletzt habe ich ein wundervolles Wochenende mit meiner Freundin verbracht und das war zum einen bunt und leuchtend, weil wir (wie auch im vergangenen Jahr) die Lichterwelten im Bergzoo Halle besucht und zum anderen chillige Stunden der Zweisamkeit – unterbrochen nur durch Baby Yoda 😉 – verbracht haben. 

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Das Lied zum Sonntag 5/2020

Werte Gemeinde,

die Spiele sind eröffnet und meine Wenigkeit ist mittendrin. Lufio startet die Cinematic Death League, die es mit cleveren Antworten auf filmische Fragen zu bestreiten gilt. Da geht es sicher heiß her. Niederlagen werden betrauert. Siege pompös gefeiert. Und ganz am Ende steht auf dem obersten Treppchen… Ich. Natürlich! Wer auch sonst. Naja, vielleicht auch nicht. Wir werden es sehen. Zumindest habt ihr die Möglichkeit, meinen Weg durch die Liga mitzubestimmen. Sofern gewollt. So denn…

Möge der bessere Wolf gewinnen.

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