#Japanuary2022: Und dann kam noch das…

Der Januar ist vorbei und mit ihm der erste #Japanuary dem ich beiwohnen durfte. Nachdem es Mitte des Monats bereits einen kurzen Zwischenstand zu den bis dahin gesehenen Filmen und der einen Serie gab, habe ich mich natürlich auch in der zweiten Januarhälfte dem filmischen Output from far East gewidmet. Wird also Zeit, darüber noch kurz zu resümieren…

劇場 – Theatre: A Love Story (2020)

Isao Yukisada will das große Drama des Lebens inszenieren. Und ja, die narrative Umsetzung, der melancholische Grundton und die flirrenden Bilder (insbesondere der dunklen, regengeschwängerten Straßen Tokios) können zweifellos gefallen. Das Problem stellt für mich allerdings der Protagonist an sich dar, dessen penetrant-überhebliches, häufig herablassendes Auftreten den Sympathiefaktor nicht gerade in die Höhe schnellen lässt. Demgegenüber steht die weibliche Hauptfigur, die mit ihrer fröhlich-lebenslustigen, fast durchgehend positiv-optimistischen Einstellung den Eindruck des empathiefreien männlichen Gegenpart noch verstärkt. Das Finale allerdings reißt dann doch nochmal einiges raus und trumpft mit einem titelgebenden theatralischen Höhepunkt auf. Der Weg dorthin ist allerdings mit hohen Hindernissen gepflastert, die es erst einmal zu umschiffen gilt.

>> 3 von 5 aufgehende Sonnen <<

ドライブ・マイ・カー – Drive my Car (2021)

Überraschenderweise sind einem die drei Stunden im Kinosessel – denn dorthin hatte es mich für die Sichtung verschlagen – gar nicht wie eben so viele Stunden vorgekommen. Trotz der sehr gemächlichen Erzählweise. Ryusuke Hamaguchi erschafft tolle Figuren, hat diese aber zweifellos in Gänze von Haruki Murakami – auf dessen literarischer Vorlage der Film beruht – übernommen.  Das Werk ist sehr dezent und zurückgenommen inszeniert und hebt sich den emotionalen Zusammenbruch aller Figuren für das späte Finale auf. Der Weg dorthin kommt als Drama am obersten Level daher, das durchaus spannend sein kann, weil die ganzen emotionalen Rucksäcke, die die Protagonisten mit sich rumtragen, erst so spät aufgemacht, dann aber mit voller Kraft ausgeschüttet werden. Drive my Car fühlt sich manchmal wie eine überlange Exposition an, die erst in der letzten halben Stunde auseinandergenommen und in seine Einzelteile zerlegt wird – wie die Gefühle aller auf der Leinwand leidenden Personen. 

>> 5 von 5 aufgehende Sonnen <<

Ein Double-Feature des Enfant Terrible Takashi Miike stand auch noch auf dem Zettel. Zum einen…

極道恐怖大劇場 牛頭 Gozu – Gozu (2003)

Der Film kann den lynchesken Stil (den der Regisseur durchaus gern zitiert) nicht verbergen. Skurrile Figuren, abgedrehte Szenerien, verrückte Einfälle und eine verwirrend undurchsichtige, stellenweise völlig neben der Spur agierende Geschichte, in der die eine gezeigte Absurdität durch eine noch absurdere Wendung überboten wird. Und dennoch funktioniert das Gesamtkonstrukt auf verblüffende Art und Weise, sofern man sich darauf einlässt, dass man sich entweder in einem schrägen Traum oder in einer völlig verqueren Parallelwelt befindet. Gozu ist ganz nebenbei ein visuelles Potpourri verschiedenster Stile, gepaart mit Soundmalereien, die der Geschichte in ihrem Craziness-Grad ebenbürtig sind. Was für ein wirres Werk. Gleichzeitig verstörend angsteinflössend und wunderschön poetisch.

>> 4 von 5 aufgehende Sonnen <<

Zum anderen…

カタクリ家の幸福 – The Happiness of the Katakuris (2002)

Miike macht auf Komödie mit Musical-Einlagen. Was für mich nur bedingt funktioniert hat. Zuerst einmal bin ich nie so richtig mit den Figuren warm geworden, die wiederum in eine Geschichte eingebunden sind, die den typisch britischen schwarzen Humor nicht verbergen kann. Dieser makabre Grundtenor mag ja noch in das Setting passen, der geschaffene Handlungsbogen bis hin zum völlig seltsamen Finale hat mich dann aber planlos und unbefriedigt zurückgelassen. Sollte das der Versuch einer Wohlfühlkomödie mit leicht überraschenden Wendungen gewesen sein, muss das Experiment als nicht durchweg gelungen bezeichnet werden. Von den musikalischen Einsprengseln will ich gar nicht erst anfangen.

>> 3 von 5 aufgehende Sonnen <<

Mein serieller Begleiter aus japanischen Landen war dieser hier:

Das Haus am Hang

Ein Gerichtsdrama mit emotionalem Tiefgang. Zuallererst: Kompliment für die schauspielerische Leistung an Kō Shibasaki, die mit einer emotionalen Wucht Trauer, Wut, Enttäuschung, Angst, Unterwürfigkeit, Aufbegehren und so viel mehr vermittelt, dass dies schon die halbe Miete darstellt. Das Haus am Hang hält der patriarchalischen japanischen Gesellschaft den Spiegel vor und die männliche Überheblichkeit fällt darin peu a peu zusammen, bis nurmehr Scherben zurückbleiben – metaphorisch als auch tatsächlich. Die Serie verbindet gekonnt das Schicksal der Verurteilten mit dem Leben der Protagonistin, zieht Parallelen im kleinen familiären Umfeld und bindet das große soziale Ganze in leiser unterschwelliger Form mit ein, wodurch Dinge an die Oberfläche gespült werden, deren Tragweite einen stellenweise kopfschüttelnd dem erzählerischen Reigen folgen lässt. Abgesehen von ein paar minimalen Längen in der Geschichte, kann Das Haus am Hang überzeugen. Als Statement und Plädoyer für eine vielschichtige Veränderung in der gesellschaftlichen Struktur Japans.

>> 4 von 5 aufgehende Sonnen <<

Last but definitely not least schlug ich sogar ein Buch auf und habe es sogar bis Ende Januar durchgelesen:

Haruki Murakami – Hard-Boiled Wonderland and the End of the World

Ein paar Worte darüber sind bereits an anderer Stelle gefallen, weshalb es nurmehr eine sonnige Bewertung gibt. Die da lautet:

>> 4 von 5 aufgehende Sonnen <<

Damit geht die Sonne vorerst unter. Aber ich habe das Gefühl, dass sich der #Japanuary auch im kommenden Jahr wieder bei mir einschleicht, um mir neue Welten zu zeigen. Bis dahin… Sayōnara!

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Eine Antwort zu #Japanuary2022: Und dann kam noch das…

  1. Miss Booleana schreibt:

    Schön, dass dir der Japanuary Spaß gemacht hat und du vielleicht wieder mitmachst. Habe gern mitgelesen. 🙂 Mit „The Happiness of the Katakuris“ hatte ich auch so meine Probleme. Ich fand einfach die seltsamen Effekte nicht lohnenswert. Vom Humor und Grundtenor hat mir das schon gefallen. Aber diese irren Mischungen haben mich immer rausgebracht und genervt. Gab es da nicht sogar eine halbherzige Stop-Motion-Sequenz?

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