#Horrorctober: (2) Was bisher geschah…

In der letzten Folge arbeiteten wir gemeinsam Kindheitstraumata auf, arbeiteten wir an der Lichtleitung und arbeiteten wir an der Marshmallow-Verzehr-Produktion. Und das bei allem mehr und minder erfolgreich. Nun ja, man kann halt nicht alles haben, zumindest nicht im #Horrorctober. Was Mann respektive Wolf aber haben kann, ist so einen kleinen Alltime-Horror-Favorite. Einen wie den hier:

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Jeepers Creepers macht etwas komisches. Der Film beginnt wie ein Roadmovie mit endlosen Gesprächen und der werte Zuschauer denkt die ganze Zeit nur: Alles klar, das Auto ist gleich defekt und die Beiden müssen irgendwo in Idaho (wahlweise auch Iowa) mitten im Wald in einem einsamen Haus übernachten. Und Peng! Dem ist nicht so! Dann führen die Macher des Werkes einen irren Highwaytypen ein, der zuerst ziemlich menschlich angerauscht kommt, um dann im zweiten Part eine übernatürliche Ebene draufzupacken. Und dieser Stilmix funktioniert. Richtig gut sogar. (Ach ja, und es gibt ne Vogelscheuche und ein Lied, das sehr viel gruseliger ist als alles andere…)

Gedankliche Überholmanöver mit lautem Horn:

+ Ob das wohl ein Vanille Wunderbaum ist?

+ Krähen im Horrorfilm? Das kann nichts Gutes bedeuten.

+ Schicker Hut. Fast so gut wie der von Indy. Aber nur fast.

Von Vogelscheuchen ist es ja nicht weit zu Dracula (Was für eine miese Überleitung.) und deshalb stand der berühmteste Vampir aller (Zwischen)Welten auf dem Menüplan.

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Mit Bela ist übrigens nicht der Arzt der Band gemeint, sondern natürlich Bela Lugosi, neben Max Schreck und Klaus Kinski wohl einer der markantesten Dracula-Darsteller. Atmosphärisch ist die 1931-Verfilmung noch immer ziemlich stimmig, die Geschichte hangelt sich auch schön an Stokers Romanvorlage entlang. Sieht man über einige eher amüsante Effekte (wie die knuffigen kleinen Fledermäuse an ihren Seilen) hinweg, ist Tod Brownings (was für ein horroresker Name) Adaption selbst 85 Jahre später ein Hingucker. Vielleicht liegt es aber auch an Belas hypnotischen Blick. Wer weiß das schon so genau?

Gesammelte Holzpflöcke mit eingeritzten Erkenntnissen während des schaurigen Schauens:

+ Im Schloß des Grafen fehlt eindeutig ne Putzfrau.

+ Children of the night, what music they make. (Bela schwärmt von Wölfen. Kann ich durchaus nachvollziehen.)

+ Jetzt weiß ich auch endlich, wo sich Andy Serkis seine Gollumfigur entliehen hat. Master, Master.

+ Bela Lugosi vs. Klaus Kinski. Wer gewinnt den Creepy Eyes Contest?

Diese Frage müssen wir ein anderes Mal klären, denn wir begeben uns jetzt in den dunklen, finsteren Wald. Und mit der Bewohnerin dort ist nicht gut Kirschen essen. Oder überhaupt irgendetwas zu essen. Oder generell überhaupt irgendeine Aktivität zu vereinbaren. Eigentlich ist die werte Witch ständig so ziemlich angepisst und hat ja mal so gar keinen Bock auf diese Typen, die da durch ihren Wald schleichen. Vor allem, wenn die auch noch nen komplettes Technikequipment dabei haben.

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Drum beginnt das blutige Dezimieren der Blair Witch. Das nur leider so unglaublich unspektakulär unspannend vor sich hintrödelt bis … ja bis dann endlich im finalen Häuserk(r)ampf mal ein wenig klaustrophobisch-unheilvolle Atmosphäre aufkommt. Die sechzig Minuten (Wer weiß, vielleicht waren es aber auch Stunden oder Tage oder Wochen?) zuvor sind einfach nur überflüssig.

Knackende Unterholzgedanken, die mich vorm Einschlafen retteten:

+ Oh, Action. Fuss aufgerissen! So viel Blut! Horror pur!

+ Und jetzt Creepy Campfire Stories Teil 2?

+ So wie der Fuss knackt, ist der nicht mehr zu retten. Ich ahne, wer als nächstes das Zeitliche segnet.

+ Warum gehen Taschenlampe eigentlich immer im falschen Moment aus? Hätten se mal Duracell genommen. 

+ Runter in den Keller. Immer ne gute Idee! 

So. Dann mal wieder raus aus dem Keller und weg hier aus der schmuddeligen, mit Spinnweben durchzogenen Ecke dieses Horrorblogs. Hier fehlt eindeutig auch ne Putzfrau. Ob die Blair Witch eventuell nen Nebenjob sucht? Ich geh mal fragen. Bis später. Oder auch nicht. Vielleicht.

Horrorctober-2017

Hier findet ihr alle 13 horroresken Exemplare die da noch kommen mögen: #Horrorctober

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#52FilmsByWomen: Maggie’s Plan von Rebecca Miller

Wir müssen ganz zu Anfang erst einmal reden. Über Greta Gerwig. Eine Schauspielerin, die wie keine andere in alle ihre Rollen eine intuitive Natürlichkeit legt, so als ob sie das nicht spielt, sondern die jeweilige Person auch ist. Was sie damit erreicht, ist eine unbedingte Sympathie für die noch so verschrobenste Figur, der sie Leben einhaucht. Bei ihr sieht das immer so locker-leicht und unbeschwert aus, mit einem Hauch naiver Verspieltheit, das es eine wahre Freude ist dabei zuzuschauen. Auch in Rebecca Millers Werk Maggie’s Plan verzaubert Greta Gerwig das werte Publikum. Aber reicht das aus?

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Ein Plan ist ein Plan ist ein Plan!?

Was wir sehen nennt sich landläufig eine RomCom, sieht so aus und fühlt sich von vorne (Etablierung der auf der Suche nach dem Glück befindlichen Hauptfigur) bis hinten (Happy End aller beteiligten Charaktere) so an. Maggie’s Plan bedient sich bekannter Versatzstücke des Genres und erzählt eine irgendwie auch schon einmal irgendwo in ähnlicher Form gesehene Geschichte. Und weil dies so ist, obliegt es insbesondere den gezeichneten Figuren und deren Spielfreude, ob sich diese romantische Komödie als intelligenter und interessanter als der ganze Rest herausstellt. Sagen wir es mal so: Der Film hat so seine Momente, die durchaus Witz und Einfallsreichtum aufzeigen. Rebecca Miller (immerhin Tochter von Arthur Miller und somit drehbuch- und theatertechnisch mit dem Schreibgen infiziert) konstruiert ansehnliche Screwball-Situationen, fabriziert einzelne wunderbar getimte und passende Dialoge und setzt die Akteure manchmal visuell in das perfekte Umfeld. In diesen Momenten funktioniert Maggie’s Plan hervorragend. Diese Momente werden meist von Maggie (Greta Gerwigs Charakter) dominiert, die mit ihrem spleenigen Hilfssyndrom und ihrer Ich-muss-mich-überall-einmischen-Attitüde für auflockernde Szenen sorgt.

In den restlichen Minuten dümpelt der Film leider allzuoft in der nichtssagenden Ecke herum. Besonders ärgerlich ist die Figur des John, die – von Ethan Hawke auch eher lustlos interpretiert – nie die Harmonie und Sympathie entwickelt, die es für den männlichen Love Interest der Hauptfigur bedarf. Wie viel spannender und vor allem auch humoristischer wäre es doch gewesen, den zuerst eingeführten Guy – so richtig gegen den Strich gemimt von Travis Fimmel – in die Haupthandlung zu integrieren. Da verschenkt Maggie’s Plan Potential und beraubt sich dadurch von ganz allein einer innovativeren Sicht auf das Genre. Wenigstens die Nebenfiguren glänzen mit sehenswerten Performances: Bill Hader als bester Freund von Maggie ist in seiner schnoddrigen, vorlauten Art köstlich und Julianne Moore als gehörnte Ex-Ehefrau von John blüht so richtig auf. Rebecca Miller weiß um die Problematik eine RomCom nicht im Einheitsbrei versinken zu lassen, umschifft die Schwierigkeiten allzu klischeehaft zu erzählen in ausgesuchten, fein getunten Augenblicken galant, stößt aber dennoch ein ums andere Mal an die Grenzen der andersartigen Erzählweise und schreitet auf eingetretenen Pfaden des Genres weiter. Im Endeffekt reiht sich Maggie’s Plan dann eben doch in die endlose Reihe der RomComs ein, die sporadische Glanzpunkte setzen, aber als Ganzes doch nur Durchschnitt bieten können. An Greta Gerwig – und das muss explizit erwähnt werden! – liegt das definitiv nicht.

Diese Rezension erscheint im Rahmen der Aktion #52FilmsByWomen, das sich den Regisseurinnen widmet. Mehr dazu unter http://womeninfilm.org/52-films/.

 

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Kurz und knackig: Die Flimmerkiste Oktober Teil 1

Blade Runner (1982)

In Vorbereitung auf die Fortsetzung (siehe weiter unten) war ein Rewatch angebracht. Und das Original zieht einen immer noch mit der visuellen und musikalischen Opulenz in den Bann. Harrison Ford als stoischer, mundfauler Einzelgänger passt natürlich perfekt in die Rolle des zweifelnden Zynikers. Beeindruckend ist aber vor allem Rutger Hauer als emotional aufbrausende ‚Maschine‘, dessen Menschlichkeit alle echten Menschen übertrumpft. Die langsame Erzählweise passt perfekt. Ridley Scott zieht dies konsequent durch, selbst der finale Kampf vollzieht sich eher in kurzen abrupten Ausbrüchen und dazwischen viel Leerlauf. Blade Runner ist ein Kunstwerk und nach wie vor nichts für den gemeinen Mainstream-Kinogänger.

Green Room (2015)

Atmosphäre hat der Film in jedem Fall. Und Green Room ist nicht nur der Name, sondern auch das visuelle Konzept. Grünstichig und in dunklem, schummrigen Licht fotografiert erzählt Jeremy Saulnier eine sich nach und nach immer weiter aufbauschende Geschichte um eine Punkband, die zur falschen Zeit am falschen Ort auftritt und in eine nicht enden wollende Gewaltorgie gerät.  Dabei gelingen dem Regisseur einige eindringliche Bilder und Szenen, die allerdings nicht über die diversen Logiklöcher hinwegtäuschen können. In summa sehenswert, insbesondere Anton Yelchin zeigt sein Talent, das leider nicht mehr weiter bewundert werden kann.

Ice Age: Collision Course (2016)

Das Franchise franst an allen Ecken und Enden aus. Zu erzählen gibt es nichts mehr. Die Geschichte in diesem bereits fünften Teil der Reihe ist so dermaßen an den Haaren herbei gezogen, das es schmerzt. Man merkt auch das penetrante Fixieren auf die Kultfiguren (Warum hat Scrat eigentlich noch keinen abendfüllenden Solofilm bei der hier gezeigten Präsenz?). Der Film bedient von vorn bis hinten nur seine Fans, hat aber nichts – aber auch überhaupt gar nichts! – mehr zu sagen. Stupider geht es nicht. Man kann nur hoffen, das die Reihe nun endlich zu ihrem Ende gekommen ist. Die Luft ist jedenfalls längst raus.

The Purge: Election Year (2016)

Der Film macht immer dann Spaß, wenn er seine Action-Prämisse straight ausspielt und die Handlung komprimiert auf den Punkt voranschreitet. Leider gibt es zwischendurch einige Stellen, die weniger gelungen sind, sondern einfach nur auf das Zeigen stumpfer, dumpfer Gewalt rekurrieren. Das ist sowieso generell das Problem des Films: Will er eher ein Horrorfilm mit Splatter darstellen oder ein Actionfilm, der sich Blut rot auf die Fahnen schreibt? Letzteres hätte dem Film eher gut getan, wenn dann auch nur auf narrativ durchschnittlichem Niveau.

Ellas Baby (2017)

Ein deutscher Fernsehfilm. Und das sieht man ihm auch durchgehend an. Dennoch: Angesichts des erzählten Sujets versucht der Film die sich andeutenden Fettnäpfchen zu umschiffen und eine nicht allzu klischeehafte Geschichte zu konstruieren. Das gelingt leider nicht immer, vor allem die nebenher laufenden Subplots bauschen die eigentliche Haupthandlung zu sehr auf und nehmen ihr dadurch die Wirksam- und Aufmerksamkeit. Das ist schade, weil das behandelte Thema eigentlich mit viel Feingefühl präsentiert wird, was vor allem auch Tijan Marei in der Rolle der Ella zu verdanken ist. (Naja und es spielt meine deutsche Lieblingsschauspielerin mit, weshalb ich keinen Bogen um den Film machen konnte.)

Kong: Skull Island (2017)

Schöne exotische Bilder, überdimensionierte Kampfszenen zwischen Kong und Menschen oder anderen mannigfaltig vorkommenden Wesen dieser Insel. Aber keinerlei erzählerische Substanz! Weder die Geschichte an sich glänzt mit Tiefgang, noch die Figuren erlauben sich irgendeine tiefergehende Charakterisierung. Hier sind Namen wie Tom Hiddleston oder Brie Larson komplett unterfordert. Kong: Skull Island ist reines Actionspektakel ohne irgendeinen sinnvollen Mehrwert. Dann doch immer noch lieber das Original als dieses Machwerk hier.

Weiter oben bereits angekündigt, habe ich auf der großen 3D-Kinoleinwand das hier konsumiert:

Blade Runner 2049 (2017)

Stellenweise ist Villeneuves Werk verdammt zäh. Zäh wie ein Kaugummi, dessen Geschmack sich bereits vor geraumer Zeit verabschiedet hat, das man aber, weil man irgendwie den Mund weiter bewegen will, nicht einfach ausspuckt. Visuell in seiner Zitierwut des Originals wunderbar eingefangen und auch Hans Zimmer bedient sich galant am vangelisschen Score. Wo aber das Original eine Langsamkeit zelebrierte, die die allgemeine Atmosphäre nur noch intensivierte, übertreibt es die Fortsetzung in seiner Gemächlichkeit. Blade Runner 2049 funktioniert als Reminiszenz auf den Klassiker exzellent (und ist für alle Fans eine wahre Fundgrube), nur leider fehlt dem Film die tiefere narrative (und philosophische) Substanz. Und er ist definitiv zu lang. Viel zu lang.

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Das Lied zum Sonntag

Werte Gemeinde,

meine Wenigkeit stromert gerade durch Berlin und steht dabei schon die ganze Zeit unter Strom. Denn es ist – wie sollte es auch anders ein, wenn ich die Bundeshauptstadt besuche – ein musikalischer Anlass, der mich hierher getrieben hat. Die Dame der Gunst an diesem Abend ist eine echte Heldin, zumindest dem Titel des Debütalbums Glauben schenkend. Und echte Heldinnen müssen live und in Farbe konsumiert werden. Nur dann zeigt sich nämlich das ganze Ausmass des Melodramas. Deshalb also bin ich im dicken B, das in diesem Augenblick

der perfekte Ort ist…

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abc.etüden: Wer die Wahl hat…

‚Lass uns gehen!‘ – ‚Warum?‘ – ‚Das kotzt mich alles einfach nur an.‘ – ‚Ich versteh dich nicht. Letzten Monat warst du noch so begeistert und nun auf einmal kommt dir alles nur noch fragwürdig vor?‘ – ‚Ja!‘ Sie verließen beide die Wahlparty, die noch immer feuchtfröhlich in Gange war und sie grummelte den kompletten Heimweg nur so vor sich hin. ‚Was machen wir denn jetzt, Frauke?‘ – ‚Na was wohl? Eine eigene Partei gründen natürlich.‘ 

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Dies ist ein kurzer Beitrag zu den wundervollen abc.etüden, die an dieser Stelle zum Leben erweckt und von dort in die weite Bloggerwelt getragen werden. Teilnahme von Allen unbedingt erbeten…

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