#52FilmsByWomen: The Runaways von Floria Sigismondi

Leisten wir zu Beginn ein wenig Aufklärungsarbeit: The Runaways ist kein Film über Teenager, die aus diversen Gründen, sei es familiär, schulisch, peer group relevant oder sonstiges in eine offene, sehr vakante Welt außerhalb dieser Grenzen entfliehen, um anhand der dort gesammelten Erfahrungen zu wachsen – intellektuell und auch generell – oder gnadenlos zu scheitern. Wobei das in gewisser Weise auch auf die Protagonisten des Films der Regisseurin Floria Sigismondi zutrifft. Nein, The Runaways ist der Name einer Band. In den Annalen der Rockgeschichte ist die rein weiblich besetzte Combo, deren Stil in die 1970er Rock- und Punkrichtung tendierte, nur eine kleine Randnotiz. Die größten Erfolge feierten die fünf Damen eher außerhalb der USA, vorrangig in Japan. Heutzutage dürfte zumindest die damalige Leadgitarristin und Mitgründerin Joan Jett dem Musikenthusiasten noch etwas sagen.

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I’m your ch-ch-ch-cherry bomb!

Floria Sigismondi nutzt die klassisch aufgebaute Erzählweise, geht chronologisch vor, indem sie das Kennenlernen der Protagonisten begleitet, den schnellen, kurzen Aufstieg skizziert und das ebenso abrupte Ende fixiert. Keine Überraschung also. Interessant wird es bei der Charakterisierung der beiden wichtigen Bandprotagonistinnen. Zum einen die bereits erwähnte Joan Jett – interpretiert in einer wunderbar nah an der realen Person angelehnten Performance von der geschätzten Kristen Stewart – die eher zurückhaltend, aber professionell erscheint. Zum anderen die Sängerin und Enfant Terrible der Band Cherry Currie, der der Star-Appeal von Beginn an aus jeder Pore tropft. Dakota Fanning zeichnet ein extrovertiertes, stets am Limit agierendes Bild von Cherrie Currie. Die Symbiose beider Akteure, ihre anfängliche harmonische Beziehung und die im Verlauf immer stärker aggressive Koexistenz ist ein Pluspunkt von The Runaways. Neben dem starken Schauspiel der beiden kommen die weiteren Rollen nur bedingt zur Geltung, was aber auch ein wenig mit der angestrebten Schwerpunktsetzung der Regisseurin zu erklären ist. Denn in Anlehnung an einen Song der Band – Neon Angels On The Road To Ruin – lässt sich wohl auch die Fokussierung auf vor allem Cherrie Currie sehen. Ihr Schicksal soll den Ausgangs- und Mittelpunkt der Geschichte bilden. Aber genau hier scheitert Floria Sigismondis Erzählung, weil sie deren langsamen physischen und psychischen Verfall aufgrund der Belastung zwar andeutet, aber nicht tief genug schürft um uns emotional vollends mitzunehmen. So ertappt man sich dabei den für die Charakterzeichnung wichtigen Szenen nur beiläufig zu folgen, was dem generellen Sehgenuss abträglich ist.

Trotzdem gibt es einige visuelle Highlights, in denen die berufliche Herkunft und das vor ihrem filmischen Werk The Runaways hauptsächlich bespielte Metier der Regisseurin hervorlugt: die Fotografie und Musikvideos. Vor allem in den Konzertszenen, die schnell geschnitten und überbelichtet bunt daherkommen, sieht man die Vorprägung. Gefallen können auch die fluoreszierenden Bilder, die eine transzendente Atmosphäre schaffen. Visuell kann man durchaus eintauchen und mitschwimmen. Leider hält die Erzählung nicht dieses gesetzte Niveau, was – und das muss noch einmal gesagt werden – explizit nicht an den Akteuren liegt, sondern an den Figuren, die mich als Zuschauer emotional aussen vor lassen. Das wiegt schwer, weil gerade auch Cherrie Curries Vita vor, während und nach dem kurzen Band-Intermezzo einiges an filmisch umsetzbaren Stoff bietet und weil darauf ja auch augenscheinlich die erzählerische Prämisse lag, ohne dies dann praktisch vollends umzusetzen. So bleibt bei Floria Sigismondis Biopic über die Rock- und Punkband The Runaways viel Potential brach liegen. Aber das harmoniert dann ja auch ganz gut mit dem Erfolg der Band an sich.

Diese Rezension erscheint im Rahmen der Aktion #52FilmsByWomen, das sich den Regisseurinnen widmet. Mehr dazu unter http://womeninfilm.org/52-films/.

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