#52FilmsByWomen: Einblicke und Ausblicke

Das Jahr ist so gut wie am Ende angelangt. Ein Jahr, in dem sich dieser Blog speziell in dieser Rubrik, die sich dort oben in der Überschrift versteckt, mit Frauen beschäftigte. Mit Frauen hinter der Kamera, am Puls des Films. Im Zentrum der Bilder. Am Kern der Geschichte. Vieles, was ich persönlich konsumiert habe, war für mich in besonderer Form eine Offenbarung, nicht immer nur positiv, aber immer erkenntnisreich. Einige Einblicke möchte ich gern teilen, auch weil irgendwann, irgendwo, bei irgendeinem der vorgestellten Werke die werte Aktion Morgenluft kommentierte, das sie gern wüsste, wie sich das Verhältnis amerikanischer zu anderen, fernab des dort drüben über dem Atlantik zu erreichenden Landes, entstandenen Filmen dieser Reihe zeigt.

Einblicke

Und um diese Frage gleich zu Beginn zu klären, lassen wir die Statistik sprechen und zwar aus zwei Blickwinkeln: Erstens auf Grundlage der Nationalität der jeweiligen Regisseurin des Films und zweitens anhand des Produktionslandes. Von den insgesamt 52 (mehr oder weniger) gesehenen Filmen saß bei 13 Werken eine Amerikanerin auf dem Regiestuhl, womit die Damen ganz knapp vor den deutschen Vertreterinnen der Zunft gewinnen (12 mal). Betrachtet man die Entstehung aus der Produktionssicht triumphiert die USA etwas deutlicher (22 gegenüber 13 in Deutschland produzierten Filmen). Der hohe Anteil deutscher Produktionen ist natürlich meinem Faible für den ‚Heimat‘-Film geschuldet.

Erweitern wir den Horizont ein wenig, stellt man jedoch fest, das der Anteil europäischer Filme durchaus überwiegt. 29 Regisseurinnen stammen aus Europa, nur 16 aus Nordamerika (einschließlich drei Damen aus dem schönen Kanada). Ich habe also doppelt so viele europäische Werke gesehen als amerikanische. Die englische Sprache war allerdings omnipräsenter, denn wenn man z.B. die australische und neuseeländische Fraktion (ganz zu schweigen von den Briten) hinzurechnet, vernahm ich 25 mal englische Worte und Sätze. Deutsch erklang dagegen nur 14 mal (zwei österreichische Filme fallen mit rein, die Schweizer Regisseurinnen drehten dagegen lieber in französischer Sprache).

Andere Sprachen waren rar gesät. Die einzige Polin unter den 52 Regisseurinnen lebt, schreibt, spricht und filmt in Frankreich. Die iranische Filmvirtuosin drehte ihren Film auf englisch und in den USA, während der auf persisch gedrehte Film von einer Britin in den Vereinigte Staaten entstand. Nur einige wenige blieben ihren Wurzeln treu und lassen ihren Film im eigenen Land spielen (u.a. in der Türkei, Saudi-Arabien und Südkorea). Sowieso muss man erwähnen, das der Anteil nichtamerikanischer und nichteuropäischer Werke verschwindend gering ist. Leider – muss dazu gesagt werden – liegt das zum einen an der Verfügbarkeit derlei Filme und zum anderen an meiner persönlichen Unwissenheit gerade auch was den filmischen Output aus dem asiatischen Raum betrifft. (Für Anregungen und Hinweise bin ich auf diesem Gebiet immer offen.)

Betrachtet man die filmische und narrative Komponente und versucht die gesehenen Werke zu genrerisieren (schönes, eigentlich nicht vorhandenes Wort) fällt eines ganz besonders auf: der hohe Anteil alternativer und Independent-Produktionen inklusive einiger durchaus dem Arthouse zuzurechnenden Vertreter. Im Fokus steht häufig – und das ist wenig überraschend – eine (oder mehrere) ProtagonistInnen und deren emanzipatorische Entwicklung. Starke Frauenfiguren at it’s best. Blockbusterkino sucht man (leider) vergeblich (Patty Jenkins‘ Wonder Woman ist eine rühmliche Ausnahme).

Und es fällt auf: Der Großteil aller 52 Filme – nämlich 47 – wurde erst nach den 2000er Jahren gedreht, nur 5 Filme stammen aus den 1990er Jahren. Mein Special über Alice Guy Blaché ausgenommen. Mag sein, das dies auch meiner Präferenz für neuere Werke geschuldet ist, aber ich habe die Vermutung, das die weiter zurückliegenden Jahrzehnte auch generell weniger Damen hinter der Kamera hervorgebracht haben. Historisch bedingt, so negativ dies auch klingen mag. Nichtsdestotrotz bin ich auch gern hier an Ausnahmen und Vorschlägen interessiert. Es muss da draussen doch Filme von Regisseurinnen geben, die vor den 1990er Jahren entstanden und auch halbwegs bekannt (und zugänglich) sind?

Was mich zu den in der Überschrift erwähnten Ausblicken bringt…

Ausblicke

Denn ich werde die Reihe #52FilmsByWomen auch 2018 fortsetzen. Nicht nur, weil es ungemein Spaß gemacht hat, viele der Filme (wieder)entdeckt zu haben, sondern auch, weil es ungemein wichtig ist den weiblichen Akteuren hinter der Kamera mehr und andauernde Aufmerksamkeit zu widmen. Ich habe einige wunderbare Filmperlen sehen dürfen, die in Erinnerung bleiben. Und dieses Gefühl soll sich auch im neuen Jahr fortsetzen. Ich möchte den Begriff jedoch gern noch ein wenig erweitern, weshalb neue Genres Einzug halten werden. Der Dokumentarfilm bietet reichlich weibliche Besetzung, aber auch im seriellen Bereich sind Frauen regissierend (mit Gruß an Frau von Grimm) tätig. Wer da Tipps zu Namen oder Werken hat: Immer her damit!

Und um abschließend noch einmal die werte Frau Morgenluft ins Spiel zu bringen: Wer gern selbst an der Reihe teilnehmen möchte, aber nicht 52 Werke am Stück rezensieren kann oder will (aus welchen Gründen auch immer), ist herzlich eingeladen den einen Film, der einen Regisseurin, die unbedingt vorgestellt werden muss, als Gastautor/in unter meiner Rubrik zu veröffentlichen. Gebt mir einfach kurz Bescheid. Ich würde mich freuen als Host zu fungieren. Ich staub schon mal den roten Teppich ab. 🙂

Mehr zu dieser Reihe in den sozialen Netzwerken unter #52FilmsByWomen und natürlich weiterhin hier bei mir in Form von Rezensionen.

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4 Antworten zu #52FilmsByWomen: Einblicke und Ausblicke

  1. Ma-Go schreibt:

    Schön, dass es mit der Aktion / Reihe weiter geht. Auch wenn ich immer noch nicht alle Beiträge dazu gelesen habe, finde ich die Rubrik toll. Die Sache mit dem Gastautor werde ich im Hinterkopf behalten und bei Gelegenheit auf dich zukommen.

  2. Miss Booleana schreibt:

    Finde ich klasse, dass du die Aktion gemacht hast und auch noch weiterführst! Ich komme gerade selber ins Überlegen, ob ich 2018 nicht mitmachen möchte. Das Jahr ist ja noch jung. Aber ob ich das so neben meinen monatlichen Werkschauen schaffe … könnte tough werden. Aber das ist die Überlegung wert. Immerhin ist bei meinen Werkschauen auch mindestens eine Regi(e)sseurin dabei. 🙂 Und wie ich jetzt vor kurzem gelernt habe, eine die du sehr magst.

    • Stepnwolf schreibt:

      Wer könnte das wohl sein? 😉

      Du kannst auch gern mein Angebot wahrnehmen und nur einen oder zwei oder drei Filme als Gastautor bei mir rezensieren. Roter Teppich ist abgestaubt.

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